Spitze des Bundesgerichtshofs geht in den Ruhestand: Limperg und Ellenberger scheiden aus

Karlsruhe, 31. August 2026 (JPD). Präsidentin Bettina Limperg und Vizepräsident Prof. Dr. Ellenberger scheiden mit Ablauf des Montags aus dem Dienst des Bundesgerichtshofs aus. Beide treten nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. Damit verliert das höchste deutsche Zivil- und Strafgericht gleichzeitig seine beiden ranghöchsten Repräsentanten.

Limperg stand seit dem 1. Juli 2014 an der Spitze des Bundesgerichtshofs. Sie war die erste Frau in diesem Amt und hatte mit mehr als zwölf Jahren zugleich die bislang längste Amtszeit einer Präsidentin oder eines Präsidenten des BGH.

Die 1960 in Wuppertal geborene Juristin hatte ihre Laufbahn 1988 im Justizdienst Baden-Württembergs begonnen. Nach Stationen bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart sowie am Amts- und Landgericht Stuttgart war sie 1994 und 1995 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Bundesverfassungsgericht abgeordnet.

Später wurde Limperg Richterin am Oberlandesgericht, Direktorin des Amtsgerichts Waiblingen und Vizepräsidentin des Landgerichts Stuttgart. 2011 wechselte sie als Ministerialdirektorin und erste weibliche Amtschefin in das baden-württembergische Justizministerium.

Als Präsidentin des Bundesgerichtshofs führte Limperg kraft Gesetzes unter anderem den Vorsitz im Senat für Anwaltssachen sowie in den Großen Senaten für Zivil- und Strafsachen. Bis September 2019 stand sie zudem dem Kartellsenat vor.

Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Amtszeit bildete die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und ihrer Nachwirkungen auf die Anfangsjahre des Bundesgerichtshofs. 2017 beauftragte sie Wissenschaftler der Universität Mainz mit einem Forschungsprojekt zur Frühgeschichte des Gerichts zwischen 1950 und 1965. Die zweibändige Abschlussarbeit wurde 2024 veröffentlicht und im Dezember desselben Jahres am Bundesgerichtshof vorgestellt.

Unter Limpergs Präsidentschaft beging der BGH 2025 gemeinsam mit der Bundesanwaltschaft sein 75-jähriges Bestehen. Zum Festjahr gehörten unter anderem ein strafrechtlicher Moot-Court in Leipzig, ein Tag der offenen Tür in Karlsruhe mit rund 1.200 Besuchern sowie ein Festakt in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Auch international engagierte sich Limperg für die Stärkung des Rechtsstaats. Von April 2021 bis November 2023 war sie Präsidentin des Netzwerks der Präsidentinnen und Präsidenten der obersten Gerichtshöfe der Europäischen Union. Seit der Errichtung der Stiftung Forum Recht im Jahr 2019 ist sie Vorsitzende ihres Kuratoriums.

Mit Vizepräsident Prof. Dr. Ellenberger scheidet zugleich ein langjähriger Richter und Vorsitzender des für Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht zuständigen XI. Zivilsenats aus dem Bundesgerichtshof aus.

Ellenberger wurde 1960 in Wichte, heute einem Ortsteil der Gemeinde Morschen, geboren. Nach seiner juristischen Ausbildung trat er 1990 in den höheren Justizdienst des Landes Hessen ein. Er war zunächst am Amtsgericht Alsfeld und am Landgericht Marburg tätig und wurde dort 1993 zum Richter am Landgericht ernannt.

Von 1996 bis 1999 war Ellenberger als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Bundesgerichtshof abgeordnet. Nach einer weiteren Abordnung an das Oberlandesgericht Frankfurt am Main wurde er im Jahr 2000 zum Richter am Oberlandesgericht befördert. Zwischen 2001 und 2003 arbeitete er zudem im Hessischen Justizministerium.

Am 2. September 2004 wurde Ellenberger zum Richter am Bundesgerichtshof ernannt. Seitdem gehörte er dem XI. Zivilsenat an. Im Februar 2015 wurde er zum Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof ernannt und übernahm den Vorsitz des Senats.

Darüber hinaus war Ellenberger seit 2008 ordentliches Mitglied des Großen Senats für Zivilsachen. Seit 2012 vertrat er den XI. Zivilsenat und seit Juli 2020 auch den Großen Senat für Zivilsachen im Gemeinsamen Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes. 2016 verlieh ihm die Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine Honorarprofessur.

Zum Vizepräsidenten des Bundesgerichtshofs wurde Ellenberger am 2. Dezember 2016 ernannt. Neben seinen richterlichen Aufgaben nahm er zahlreiche administrative Sonderaufgaben wahr. Dazu gehörte insbesondere die Leitung der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Festjahres zum 75-jährigen Bestehen des Bundesgerichtshofs, des Generalbundesanwalts und der Rechtsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof.

Markiert:
Cookie Consent mit Real Cookie Banner