
Leipzig, 1. Juni 2026 (JPD) Der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Andreas Korbmacher, ist mit Ablauf des Monats Mai 2026 in den Ruhestand getreten. Der Jurist gehörte dem Gericht mehr als 17 Jahre an und stand seit September 2022 an dessen Spitze. Über seine Nachfolge ist bislang nicht entschieden worden.
Korbmacher, Jahrgang 1960, begann seine richterliche Laufbahn nach dem Zweiten Staatsexamen 1988 in Berlin. Nach Stationen am Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg, am Landgericht und am Verwaltungsgericht Berlin wurde er 1991 zum Richter am Verwaltungsgericht ernannt. Später folgten Tätigkeiten am Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, in der Berliner Justizverwaltung sowie am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, dessen Vorsitzender Richter er 2005 wurde.
Prägende Verfahren und Digitalisierung der Justiz
Nach seiner Ernennung zum Richter am Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2008 gehörte Korbmacher zunächst dem 9. Revisionssenat an. Ab 2017 leitete er den 7. Revisionssenat, der insbesondere für das Immissionsschutzrecht zuständig ist. In seine Zuständigkeit fielen unter anderem Verfahren zu Diesel-Fahrverboten, zur Elbvertiefung sowie zum Ausbau der LNG-Infrastruktur. Zwischen 2021 und 2023 führte er zudem den Vorsitz des 10. Revisionssenats für das Informationsfreiheitsrecht.
Von 2019 bis 2022 war Korbmacher Vizepräsident des Bundesverwaltungsgerichts, bevor er am 8. September 2022 zum Präsidenten ernannt wurde. Während seiner Amtszeit wurden die Digitalisierungsmaßnahmen des Gerichts weiter vorangetrieben. Mehr als zwei Jahre vor dem gesetzlichen Stichtag stellte das Bundesverwaltungsgericht die Aktenführung vollständig auf die elektronische Akte um, sodass seither sämtliche Verfahren papierlos bearbeitet werden.
Zudem fiel in seine Amtszeit das 70-jährige Bestehen des Bundesverwaltungsgerichts, das 2023 mit einem Jubiläumssymposium zur Entwicklung der Verwaltungsgerichtsbarkeit begangen wurde. Ein Jahr später fand erstmals seit neun Jahren wieder ein Tag der offenen Tür unter dem Motto „Arbeiten für den Rechtsstaat“ statt. Darüber hinaus setzte sich Korbmacher für die internationale Zusammenarbeit der obersten Verwaltungsgerichte in Europa sowie für den bilateralen Austausch mit Partnergerichten in Polen, Ungarn und Frankreich ein.
Korbmacher ist zudem Honorarprofessor am Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technische Universität Berlin. Bis zur Entscheidung über die Nachfolge übernimmt die Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsgerichts, Susanne Rublack, die Amtsgeschäfte kommissarisch.




