
Dresden, 2. September 2026 (JPD). Die Angst vor Kriminalität ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt. Besonders hoch ist das subjektive Unsicherheitsgefühl in Sachsen-Anhalt, weiten Teilen Sachsens und Berlin, während sich Menschen in Norddeutschland vergleichsweise wenig vor Straftaten fürchten. Das geht aus einer Auswertung der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts hervor.
Die Kriminalitätsfurcht hängt dabei nach Einschätzung der Forscher nur begrenzt mit der tatsächlichen Zahl der Straftaten zusammen. So sei das Angstempfinden in Schleswig-Holstein sehr gering, in Sachsen-Anhalt dagegen vergleichsweise hoch, obwohl beide Länder mit rund 8.000 Straftaten je 100.000 Einwohner eine ähnliche Kriminalitätsbelastung aufweisen.
„Die Angst vor Kriminalität hängt jedoch nur begrenzt mit der tatsächlichen Kriminalität zusammen“, erklärte Grega Ferenc von der ifo Niederlassung Dresden.
Sachsen-Anhalt und Teile Sachsens mit hoher Kriminalitätsfurcht
Für die Untersuchung wurde unter anderem ausgewertet, wie hoch Menschen ihr persönliches Risiko einschätzen, innerhalb der kommenden zwölf Monate Opfer einer Straftat zu werden. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Wohnungseinbruch, Diebstahl, Körperverletzung, sexuelle Gewalt, Hasskriminalität und digitaler Identitätsdiebstahl.
Besonders hoch ist das Angstempfinden demnach in Sachsen-Anhalt, in den Regionen um Leipzig und Chemnitz sowie in Berlin. Besonders niedrig fällt es in Schleswig-Holstein, in weiten Teilen Niedersachsens sowie im Regierungsbezirk Kassel aus.
Untersucht wurde zudem, in welchem Umfang Menschen aus Angst vor Kriminalität ihr Verhalten verändern. Dazu zählen etwa das Meiden bestimmter Orte, zusätzliche Schutzmaßnahmen oder Anpassungen des Alltags.
Besonders stark ist dieses Vermeidungs- und Vorsichtsverhalten in den Regionen um Hannover und Leipzig ausgeprägt. Am wenigsten passen Menschen in Oberbayern und Oberfranken ihr Verhalten aus Angst vor Kriminalität an.
Bildungsniveau beeinflusst Kriminalitätsfurcht
Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss haben der Auswertung zufolge im Durchschnitt größere Angst, Opfer einer Straftat zu werden, als Menschen mit höherem Bildungsabschluss. Mit zunehmendem Alter nimmt die Kriminalitätsfurcht tendenziell ab. Beim Einkommen zeigten sich dagegen keine Unterschiede.
Auch zwischen Männern und Frauen ist die allgemeine Angst vor Kriminalität ähnlich ausgeprägt. Unterschiede bestehen allerdings bei einzelnen Delikten. Frauen fürchten sich beispielsweise häufiger vor Sexualstraftaten und zeigen deutlich öfter Vermeidungs- und Vorsichtsverhalten. Sie meiden häufiger bestimmte Straßen, Plätze, Parks oder öffentliche Verkehrsmittel am Abend und verlassen bei Dunkelheit eher nur dann das Haus, wenn es erforderlich ist.
Die Auswertung basiert auf Daten des Panels zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftätern des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen. Befragt wurden im Frühjahr 2022 rund 5.200 Menschen. Die regionale Analyse erfolgte auf Ebene der sogenannten NUTS-2-Regionen.





