
München, 31. August 2026 (JPD). Die Bedrohung durch Cyberkriminalität in Bayern bleibt auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2025 wurden bei der Bayerischen Polizei mehr als 49.400 Fälle von Cybercrime angezeigt. Zugleich geraten Behörden und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur zunehmend ins Visier professionell agierender Angreifer. Das geht aus dem am Montag vorgestellten Bericht zur Cybersicherheit in Bayern 2026 hervor.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Finanzminister Albert Füracker und Justizminister Georg Eisenreich stellten den Bericht gemeinsam vor. Nach Einschätzung der Staatsregierung werden die Angriffsszenarien immer komplexer. Neben klassischen finanziell motivierten Angriffen gewinnen auch politisch motivierte Cyberattacken und hybride Bedrohungen an Bedeutung.
Eine wachsende Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz. Sie erleichtert es nach Angaben des Berichts, auch ohne umfassende technische Kenntnisse Cyberangriffe vorzubereiten und durchzuführen.
Deutlich zugenommen haben sogenannte DDoS-Angriffe, bei denen Webseiten oder andere Online-Dienste gezielt durch eine Vielzahl von Anfragen überlastet und dadurch zeitweise unerreichbar gemacht werden. Solche Attacken werden nach Angaben des Innenministeriums zunehmend auch von politisch motivierten beziehungsweise hacktivistischen Akteuren eingesetzt.
Herrmann verwies zudem auf die zunehmende Bedeutung von Cyberangriffen, Spionage, Sabotage und Desinformation im Zusammenhang mit hybriden Bedrohungen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe diese Kombination nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht.
Neben solchen Angriffen bleiben klassische Cybercrime-Phänomene verbreitet. Dazu gehören insbesondere Phishing und das sogenannte Quishing, bei dem manipulierte QR-Codes eingesetzt werden, sowie Ransomware-Attacken.
Das Bayerische Landeskriminalamt registrierte 2025 insgesamt 230 Ransomware-Fälle. Im Jahr zuvor waren es 195 gewesen. Das entspricht einem Anstieg um rund 18 Prozent. Betroffen waren neben Unternehmen auch öffentliche Einrichtungen.
Auch staatliche IT-Systeme wurden vermehrt angegriffen. Das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) registrierte 2025 insgesamt 105 DDoS-Angriffe auf staatliche Webseiten. Im Cyber Defence Center des LSI wurden rund 6.000 sicherheitsrelevante Vorfälle bearbeitet und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Nach Angaben von Finanzminister Füracker kam es trotz dieser Vorfälle weder zu Schäden noch zu einem Abfluss von Daten. Das LSI analysiert täglich rund 2,7 Milliarden Datensätze. Zusammen mit dem IT-Dienstleistungszentrum blockierte es 2025 nach Angaben der Staatsregierung bereits beim Empfang rund 838 Millionen verdächtige E-Mails.
Auch die bayerische Justiz baut ihre Aktivitäten gegen Cyberkriminalität weiter aus. Justizminister Eisenreich verwies dabei insbesondere auf die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB), die seit elf Jahren besteht und international mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeitet. Bayern setzt sich zudem für höhere Strafrahmen bei Cyberdelikten und einen stärkeren strafrechtlichen Schutz vor hybriden Bedrohungen ein.
Zu den internationalen Ermittlungserfolgen des vergangenen Jahres zählt die Staatsregierung eine koordinierte Aktion gegen die Ransomware-Gruppe „8Base“. Dabei wurden in Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden aus 14 Staaten vier mutmaßliche Führungspersonen festgenommen.
Bei der internationalen „Operation Stream“ gegen die weltweite Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs wurden nach Angaben der Staatsregierung zudem mehr als 1.600 Tatverdächtige identifiziert und rund 80 Personen festgenommen. Bayerische Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiteten hierbei mit Europol und Behörden aus insgesamt 38 beteiligten Staaten zusammen.
Zur weiteren Stärkung der Cybersicherheit setzen die Behörden zunehmend auch selbst auf Künstliche Intelligenz. Das LSI nutzt KI-gestützte Analysen zur Erkennung neuer Schadsoftware. Zudem sollen Fachkompetenzen und neue Ermittlungsmethoden bei Polizei, Justiz und Verfassungsschutz weiter ausgebaut werden.
Im Rahmen der „Cyberabwehr Bayern“ arbeiten die für Cybersicherheit zuständigen Behörden des Freistaats seit sechs Jahren zusammen. Die Kooperation soll fortgesetzt und die Widerstandsfähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gegen Cyberangriffe weiter erhöht werden.






