
Hannover, 24. August 2026 (JPD). Die Zahl der Straftaten mit Bezug zur Clankriminalität ist in Niedersachsen 2025 erneut zurückgegangen. Polizei und Justiz registrierten insgesamt 2.691 Straftaten und damit 454 weniger als im Vorjahr. Die Fallzahlen sanken damit zum dritten Mal in Folge. Ihr Anteil an der Gesamtkriminalität lag bei 0,53 Prozent.
Das geht aus dem sechsten gemeinsamen Lagebild von Polizei und Justiz zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen hervor, das Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Kathrin Wahlmann am Montag vorgestellt haben.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2.411 Tatverdächtige erfasst. Mehr als die Hälfte von ihnen besitzt nach Angaben der Landesregierung die deutsche Staatsangehörigkeit, der überwiegende Teil ist männlich. Gut 48 Prozent der Tatverdächtigen waren Mehrfachtäter und damit im Zusammenhang mit Clankriminalität wiederholt auffällig geworden.
Behrens wertete den Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen auf ein Fünf-Jahres-Tief als Ergebnis der langfristigen Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und weiteren Behörden. Wahlmann erklärte, die konsequente Bekämpfungsstrategie zeige Wirkung.
Trotz der insgesamt rückläufigen Zahlen bleiben Gewaltdelikte ein Schwerpunkt. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gingen zwar um mehr als acht Prozent zurück, bildeten mit 934 Fällen aber weiterhin die mit Abstand größte Deliktsgruppe. Mehr als ein Drittel aller der Clankriminalität zugeordneten Straftaten entfiel auf diesen Bereich. Darunter waren 520 Körperverletzungsdelikte.
Nach Einschätzung des Innenministeriums bleibt das Gewaltpotenzial deshalb hoch. Die Polizei beobachte weiterhin eine große Verfügbarkeit unterschiedlicher Waffen und eine Bereitschaft, diese zur Durchsetzung eigener Interessen einzusetzen. Zudem entwickelten sich Einsätze nach Angaben von Behrens teilweise wieder häufiger zu größeren Tumultlagen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Behörden ist die Abschöpfung kriminell erlangten Vermögens. Im Jahr 2025 konnten Vermögenswerte von rund 5,35 Millionen Euro vorläufig gesichert werden. Das war nach Angaben der Landesregierung der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.
Behrens sprach sich in diesem Zusammenhang für die auf Bundesebene diskutierte Möglichkeit aus, bei Vermögenswerten ungeklärter Herkunft die Anforderungen an den Nachweis ihrer legalen Herkunft zu verschärfen. Wahlmann bezeichnete die Vermögensabschöpfung als wichtigen Bestandteil der Strafverfolgung, um kriminellen Strukturen ihre wirtschaftliche Grundlage zu entziehen.
Als Clankriminalität erfassen die niedersächsischen Behörden Straftaten und Ordnungswidrigkeiten aus Strukturen, die unter anderem durch ein hohes kriminelles Potenzial und eine rechtsfeindliche Haltung geprägt sind. Als Indikatoren gelten etwa die Vorrangstellung familieninterner Normen gegenüber staatlichem Recht, die Mobilisierung größerer Personengruppen bei Konflikten oder Formen einer den Rechtsstaat umgehenden Paralleljustiz.





