
München, 1. Juli 2026 (JPD). Die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte in Bayern bleibt auf hohem Niveau. Im Jahr 2025 wurden 3.172 Einsatzkräfte bei Angriffen verletzt. Das ist nach Angaben des bayerischen Innenministeriums der höchste Stand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 2010.
Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich stellten am Mittwoch in München das Landeslagebild 2025 „Gewalt gegen Polizeibeamte“ vor. Herrmann bezeichnete Angriffe auf Einsatzkräfte als inakzeptabel. Wer diejenigen attackiere, die für Sicherheit sorgten, die Rechtsordnung durchsetzten und Menschen in Not hülfen, überschreite eine klare Grenze. Eisenreich betonte, in Bayern gelte bei Gewalt gegen Einsatzkräfte „null Toleranz“.
Insgesamt registrierte die Bayerische Polizei im Jahr 2025 7.151 Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Im Vorjahr waren es 7.384 Fälle gewesen. Auf körperliche Gewalt entfielen 4.611 Delikte, darunter Körperverletzungen, Widerstandshandlungen, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Raubdelikte. Hinzu kamen 2.118 Beleidigungen und 334 Bedrohungen.
Besonders schwer wiegen nach Angaben des Ministeriums sieben Angriffe, die als versuchte Tötungsdelikte eingestuft wurden. 2024 waren fünf solcher Fälle erfasst worden. In zehn Fällen führten Angreifer eine scharfe Schusswaffe mit sich. In einem Fall wurde eine Schusswaffe gegen Polizeikräfte eingesetzt. Hieb- und Stichwaffen wurden 149-mal mitgeführt und 17-mal gegen Polizistinnen und Polizisten eingesetzt.
Die Zahl der Tatverdächtigen sank auf 5.798 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2015. Herrmann wertete dies als Hinweis darauf, dass die Gewalt zwar von weniger Personen ausgehe, zugleich aber intensiver und folgenschwerer werde. Rund 82 Prozent der Tatverdächtigen waren männlich. Etwa 60 Prozent standen während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Knapp 900 Tatverdächtige und damit rund 15 Prozent wurden als Mehrfachtäter erfasst.
Die Staatsregierung will den Schutz der Einsatzkräfte weiterentwickeln. Herrmann verwies auf Aus- und Fortbildung, polizeiliches Einsatztraining, moderne Ausrüstung wie ballistische Schutzwesten und Body-Cams, Unterstützungsangebote für Betroffene, zügige Ermittlungen und einen hohen Strafrahmen. Eisenreich erklärte, wer Einsatzkräfte angreife, greife zugleich den Rechtsstaat an und werde konsequent bestraft.
Die Bayerische Polizei erprobt derzeit zudem den Einsatz von Distanz-Elektroimpulsgeräten, sogenannten Tasern, im Wach- und Streifendienst. Pilotbehörden sind die Polizeiinspektionen Augsburg Mitte, Regensburg Süd und Schweinfurt. Nach der sechsmonatigen Pilotphase sollen die Ergebnisse umfassend evaluiert werden.
Herrmann und Eisenreich riefen abschließend zu einem respektvollen und wertschätzenden Umgang mit Polizistinnen und Polizisten auf. Diese seien sichtbare Repräsentanten eines handlungsfähigen, demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaats.






