
Wiesbaden, 12. August 2026 (JPD). Die Zahl islamistischer Straf- und Gewalttaten in Hessen ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Zugleich hat sich die Zahl linksextremistischer Gewalttaten nahezu verdreifacht. Rechtsextremismus bleibt nach Einschätzung der Landesregierung dennoch die größte Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten hessischen Verfassungsschutzbericht 2025 hervor.
Innenminister Roman Poseck und der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen, Bernd Neumann, stellten den Bericht in Wiesbaden vor. Insgesamt wurden 12.825 Personen dem extremistischen Personenpotenzial zugerechnet. Im Vorjahr waren es 12.905 gewesen.
Die Gesamtzahl extremistischer Straf- und Gewalttaten ging zwar von 2.527 auf 2.321 zurück. Die Zahl der Gewalttaten stieg jedoch von 74 auf 80.
Rechtsextremismus bleibt größte Bedrohung
Das rechtsextremistische Personenpotenzial nahm von 1.790 auf 1.850 Personen zu. Davon gelten 975 als gewaltorientiert. Die Zahl rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten sank von 1.997 auf 1.748. Mit 30 Gewalttaten wurde zugleich der niedrigste Wert innerhalb des Fünfjahreszeitraums erreicht.
Dennoch entfielen nach Angaben des Landes rund drei Viertel sämtlicher extremistischer Straftaten in Hessen auf den Rechtsextremismus.
Poseck warnte davor, die rückläufigen Fallzahlen als Entwarnung zu verstehen. Das Personenpotenzial und auch die Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten seien gestiegen. Besonders besorgniserregend sei zudem die Ansprache junger Menschen über soziale Medien.
Der Verfassungsschutzbericht führt den hessischen Landesverband der AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte diese Einstufung im Juni 2026 im Hauptsacheverfahren bestätigt und Klagen des Landesverbandes abgewiesen. Gegen die Entscheidung wurde nach Angaben des Innenministeriums Berufung beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt.
Linksextreme Gewalttaten nahezu verdreifacht
Besonders deutlich stiegen die Fallzahlen im Linksextremismus. Das Personenpotenzial erhöhte sich von 2.600 auf 2.640 Personen. Die Zahl der als gewaltorientiert eingestuften Linksextremisten nahm von 730 auf 750 zu.
Die Zahl der Straf- und Gewalttaten stieg von 155 auf 283 und damit um fast 83 Prozent. Die Gewalttaten erhöhten sich von 15 auf 44. Das entspricht einem Anstieg von rund 193 Prozent.
Damit wurden im Zeitraum 2021 bis 2025 erstmals mehr linksextremistische als rechtsextremistische Gewalttaten registriert. Fast die Hälfte der linksextremistisch motivierten Gewalttaten ereignete sich laut Innenministerium bei Protesten gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung am 1. Februar 2025 in Neu-Isenburg.
Poseck sprach von einer alarmierenden Entwicklung und warnte davor, linksextremistische Gewalt zu verharmlosen.
Islamistische Straftaten steigen um fast 67 Prozent
Auch beim Islamismus verzeichnet der Bericht einen starken Anstieg der Straftaten. Zwar verringerte sich das islamistische Personenpotenzial von 3.890 auf 3.840 Personen. Die Zahl der Straf- und Gewalttaten nahm jedoch von 57 auf 95 zu. Das entspricht einem Zuwachs von fast 67 Prozent.
Die Zahl islamistischer Gewalttaten stieg von einer auf drei.
Poseck verwies auf die Gefahr schneller Radikalisierungsprozesse insbesondere bei jungen Menschen in digitalen Räumen. Der Islamismus und vor allem der Dschihadismus blieben eine potenziell tödliche Bedrohung.
Antisemitische Straftaten nehmen weiter zu
Die Zahl antisemitischer Straftaten in Hessen stieg von 357 im Jahr 2024 auf 374 im Jahr 2025. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen registrierte zudem 1.099 Vorfälle und damit einen neuen Höchststand nach 926 Fällen im Vorjahr.
Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes fungiert Israelhass zunehmend als verbindendes Narrativ unterschiedlicher extremistischer Milieus.
Spionage und hybride Bedrohungen im Fokus
Der Bericht warnt darüber hinaus vor einer zunehmenden Bedrohung durch Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und Desinformation. Die größte hybride Gefahr ging demnach 2025 von Russland aus.
Nach Angaben Posecks hat sich die Zahl der Verdachtsfälle mit Russland-Bezug seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf mehr als 2.000 Fälle mehr als verdoppelt. Bei Sachverhalten mit Iran-Bezug erwartet das Innenministerium im laufenden Jahr einen Anstieg um mehr als 45 Prozent auf rund 800 Fälle.
Das Landesamt für Verfassungsschutz wurde deshalb organisatorisch neu aufgestellt. Unter anderem wurden eine eigene Abteilung für Spionageabwehr und hybride Bedrohungen sowie eine Abteilung für operative Aufklärung geschaffen.
Radikalisierung zunehmend im Netz
Verfassungsschutzpräsident Neumann warnte zudem vor einer zunehmenden Radikalisierung Minderjähriger im Internet. Das Landesamt habe sich zuletzt auch mit Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren beschäftigt, die sich in Chatgruppen austauschten und Aktionen planten.
Die Präventionsarbeit wurde nach Angaben des Landesamtes weiter ausgebaut. Im Jahr 2025 absolvierte der Verfassungsschutz 353 Präventionstermine und erreichte damit einen neuen Höchststand.






