Verfassungsschutz sieht wachsende Bedrohung durch Extremismus

Berlin, 30. Juni 2026 (JPD). Die Bedrohung durch Extremismus in Deutschland nimmt weiter zu. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, haben in Berlin den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgestellt. Danach stieg die Zahl extremistischer Straftaten im vergangenen Jahr auf 58.851 Fälle. Im Jahr 2024 waren es 57.701 gewesen.

Noch deutlicher fiel der Anstieg bei den Gewalttaten aus. Sie nahmen um rund zehn Prozent auf 3.294 Fälle zu. Dobrindt bezeichnete insbesondere die wachsende linksextremistische Gewalt als Warnsignal für den Rechtsstaat. Zugleich betonte er, die größte Bedrohung für die Demokratie gehe weiterhin vom Rechtsextremismus aus.

Das rechtsextremistische Personenpotenzial wuchs 2025 nach Angaben des Berichts deutlich auf 58.700 Personen. Im Vorjahr waren es 50.250 gewesen. Die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten stieg leicht auf 15.600. Auch im Linksextremismus verzeichnete der Verfassungsschutz einen Zuwachs. Das Personenpotenzial erhöhte sich von 38.000 auf 42.200 Personen, darunter 11.600 gewaltorientierte Linksextremisten.

Im Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus stieg das Personenpotenzial leicht auf 28.645 Personen. Das gewaltorientierte islamistische Personenpotenzial ging dagegen geringfügig auf geschätzt 9.110 Personen zurück. Im auslandsbezogenen Extremismus erhöhte sich das Personenpotenzial auf 33.850 Personen. Rund 22.000 davon gelten als gewaltorientiert.

Neben den extremistischen Bestrebungen im Inland sieht der Verfassungsschutz Deutschland weiter stark durch ausländische Nachrichtendienste bedroht. Spionage, Sabotage, Cyberangriffe, Desinformation und transnationale Repression blieben auf hohem Niveau. Nachrichtendienstliche Aktivitäten gingen dem Bericht zufolge vor allem von Russland, China und Iran aus. Im Fokus stünden Politik, Militär, Wirtschaft und Wissenschaft.

Eine besondere Rolle misst der Bericht auch dem Nahostkonflikt bei. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hätten sich in unterschiedlichen extremistischen Milieus gemeinsame Feindbilder verstärkt. Israelfeindschaft und Antisemitismus wirkten dabei als ideologische Schnittmenge zwischen eigentlich verschiedenen Strömungen.

Als weiteren Treiber der Radikalisierung nennt der Verfassungsschutz soziale Medien. Extremistische Akteure nutzten Plattformen wie Instagram, TikTok und auch Gaming-Angebote, um Propaganda zu verbreiten, Veranstaltungen zu mobilisieren und vor allem junge Menschen anzusprechen. Dadurch entstünden digitale Resonanzräume und internationale Vernetzungen, die Radikalisierungsprozesse beschleunigen könnten.

Selen sprach bei der Vorstellung des Berichts von einer Demokratie unter dauerhaftem Druck von außen und innen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stehe täglich dafür ein, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu schützen.

Markiert:
Cookie Consent mit Real Cookie Banner