
Bad Neuenahr-Ahrweiler, 3. Juli 2026 (JPD). Rheinland-Pfalz’ Justizminister Dr. Helmut Martin hat das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler besucht und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz während und nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 gedankt. Zugleich informierte sich der Minister vor Ort über die Lage des Gerichts knapp fünf Jahre nach der Flut.
Der Besuch wich von der klassischen Abfolge der Antrittsbesuche eines neuen Justizministers ab, die üblicherweise zunächst zu den Obergerichten und Generalstaatsanwaltschaften führen. Martin erklärte, es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, noch vor dem fünften Jahrestag der Flutkatastrophe nach Bad Neuenahr-Ahrweiler zu kommen.
Das Amtsgericht war von der Flut besonders schwer getroffen worden. Durch den Wassereinbruch wurden IT und weitere Technik teilweise irreparabel zerstört. Zudem wurden mehrere hundert Meter Akten sowie Teile des Gebäudes erheblich beschädigt. Zeitweise verfügte das Gericht über keinen funktionsfähigen Wasser- und Toilettenanschluss und war telefonisch kaum erreichbar.
Martin würdigte den Einsatz der Gerichtsleitung und der Beschäftigten unter schwierigen Bedingungen. Der Betrieb sei zeitweise mit nur wenigen Personen vor Ort aufrechterhalten worden. Für dringende Anhörungen in Betreuungsverfahren seien kurzfristig Fahrräder organisiert worden, weil Straßen mit Autos nicht befahrbar gewesen seien. Zusätzlich mussten nach der Flut zahlreiche Nachlässe geregelt und Grundbuchanträge bearbeitet werden.
Im Gespräch mit der Direktorin des Amtsgerichts, Dr. Susanne Dreyer-Mälzer, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ging es um die Belastungen seit der Flutkatastrophe und um die Frage, inwieweit die Folgen bis heute im Arbeitsalltag spürbar sind. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Koblenz, Thomas Henrichs, der Vizepräsidentin des Landgerichts Koblenz, Dr. Andrea Mannweiler, und dem Leiter der Zentralabteilung des Ministeriums, Ministerialdirigent Fabian Scherf, wurden zudem die Personal- und Gebäudesituation des Gerichts erörtert.
Nach einer Personalversammlung, in der Martin den Beschäftigten seine Wertschätzung aussprach, folgte ein Rundgang durch das Gerichtsgebäude. Dabei informierte sich der Minister über die weitgehend abgeschlossenen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten sowie über eine neue Rollregalanlage in einem Archivraum. Das Sortieren der gereinigten und an das Gericht zurückgeführten Akten wird noch einige Zeit dauern. Weitere Akten befinden sich nach Angaben des Ministeriums noch in einem Tiefkühllager und werden schrittweise durch eine Spezialfirma aufbereitet.
Das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler ist für erstinstanzliche Zivil-, Straf-, Familien- und Betreuungsverfahren sowie für Grundbuch- und Insolvenzsachen zuständig. Es gehört zu den 15 Amtsgerichten im Bezirk des Landgerichts Koblenz. Derzeit sind dort 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter acht Richterinnen und Richter.






