
BILDQUELLE: LfV
Wiesbaden, 6. August 2026 (JPD). Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen erhält eine eigene Abteilung zur Abwehr von Spionage und hybriden Bedrohungen. Daneben werden die operativen Aufklärungsmaßnahmen in einer weiteren Abteilung gebündelt und der Wirtschaftsschutz zu einer Kompetenzstelle für Wirtschafts-, Wissenschafts- und Behördenschutz ausgebaut.
Innenminister Roman Poseck und der Präsident des Landesamtes, Bernd Neumann, stellten die neue Organisationsstruktur am Donnerstag in Wiesbaden vor. Hessen reagiert damit nach Angaben des Innenministeriums auf eine wachsende Zahl von Cyberangriffen, Sabotageverdachtsfällen, Spionageaktivitäten, Drohnensichtungen und Desinformationskampagnen.
Die neue Spionageabteilung soll sich ausschließlich mit Spionageabwehr, hybriden Bedrohungen, ausländischer Einflussnahme und transnationaler Repression durch fremde Staaten befassen. Hessen beschreitet damit nach Angaben des Ministeriums bundesweit einen bislang einzigartigen Weg.
Eine zweite neue Abteilung übernimmt die operative Aufklärung. Dort sollen erstmals sämtliche nachrichtendienstlichen Maßnahmen gebündelt werden. Dazu gehören unter anderem die Observation extremistischer Zielpersonen und Überwachungsmaßnahmen nach dem Artikel-10-Gesetz.
Der bisherige Wirtschaftsschutz wird zur Kompetenzstelle Wirtschafts-, Wissenschafts- und Behördenschutz erweitert. Sie soll gefährdete Einrichtungen beraten, Akteure miteinander vernetzen und dazu beitragen, dass Verdachtsfälle schneller an das Landesamt gemeldet werden.
Nach Angaben des Innenministeriums hat sich die Zahl der vom Landesamt bearbeiteten Verdachtsfälle mit Russland-Bezug seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mehr als verdoppelt. Zwischenzeitlich seien mehr als 2.000 Vorgänge registriert worden.
Auch bei Fällen mit Iran-Bezug erwartet das Landesamt für 2026 einen deutlichen Anstieg. Die Zahl könnte gegenüber dem Vorjahr um mehr als 45 Prozent auf rund 800 Fälle wachsen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres stellte die Behörde zudem mehr Ausspähungs- und Sabotagesachverhalte sowie Vorgänge mit Drohnenbezug fest.
Poseck verwies auf die besondere Gefährdung Hessens. Das Land sei mit dem Frankfurter Internetknoten, dem Flughafen, bedeutenden Unternehmen, Verkehrsinfrastruktur und militärischen Einrichtungen ein attraktives Ziel für ausländische Nachrichtendienste und andere hybride Akteure.
Die jüngste Reform des hessischen Verfassungsschutzgesetzes habe bereits die rechtlichen Grundlagen erweitert. Unter strengen Voraussetzungen seien dem Landesamt nun auch Online-Durchsuchungen möglich. Die organisatorische Neuausrichtung solle die Behörde zusätzlich schlagkräftiger und reaktionsfähiger machen.
LfV-Präsident Neumann erklärte, die letzte größere Umorganisation des Landesamtes liege zehn Jahre zurück. Seitdem hätten sich die Anforderungen grundlegend verändert und erheblich erhöht. Durch die Bündelung der Fachleute und operativen Ressourcen sollten Abstimmungswege verkürzt und Entscheidungen beschleunigt werden.
Auch die Zahl der Sensibilisierungsgespräche bei gefährdeten Unternehmen ist nach Angaben des Landesamtes gestiegen. Sie habe sich 2025 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.
Als Beispiele für die Bedrohungslage verwies das Innenministerium unter anderem auf ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt gegen drei Männer. Ihnen wird vorgeworfen, im Auftrag eines russischen Geheimdienstes einen ukrainischen Staatsangehörigen ausgespäht zu haben. Genannt wurden zudem ausländische Desinformationskampagnen sowie Ermittlungen wegen mutmaßlicher chinesischer Wirtschaftsspionage.






