
München, 22. Juni 2026 (JPD) Staatliche Entlastungsmaßnahmen während der Energiekrise der Jahre 2022 und 2023 haben nach einer Studie von ifo Institut und EconPol Europe vor allem den Verbrauch fossiler Energieträger begünstigt und damit klimapolitischen Zielen entgegengewirkt.
Nach den Berechnungen der Forschenden entsprechen die Hilfsprogramme in den 27 EU-Mitgliedstaaten einer dauerhaften Subvention von durchschnittlich rund 18 Euro je Tonne CO₂ bei Erdgas und etwa 10 Euro je Tonne CO₂ bei Öl. In Deutschland stellte der Staat während der durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelösten Energiekrise Hilfen von bis zu 187 Milliarden Euro bereit. Davon entfielen nach Angaben der Studie rund 71 Milliarden Euro auf gezielte Entlastungen für Öl- und Erdgaskunden.
Der ifo-Forscher Andreas Peichl sieht darin ein strukturelles Problem. Maßnahmen wie Steuersenkungen auf Kraftstoffe oder Gas entlasteten insbesondere Verbraucher und Unternehmen mit hohem Energieverbrauch und schwächten zugleich den Preisanreiz zum Energiesparen ab. Die Autoren empfehlen daher, künftige Hilfsprogramme so auszugestalten, dass Einsparanreize erhalten bleiben. Als klimafreundlichere Alternative nennen sie beispielsweise niedrigere Stromsteuern, die Elektrizität gegenüber Öl und Gas attraktiver machen würden.
Die Studie verweist zudem auf die anhaltend hohe Abhängigkeit Europas von Energieimporten. Im Durchschnitt decken die EU-Staaten rund 57 Prozent ihres Energiebedarfs durch Importe. Deutschland importierte im Jahr 2023 fossile Energieträger im Wert von rund 80 Milliarden Euro, was etwa 67 Prozent des heimischen Energieverbrauchs entsprach.
Sollten die Weltmarktpreise für fossile Energieträger dauerhaft um 50 Prozent steigen, würden sich die jährlichen Importkosten Deutschlands nach Berechnungen der Autoren um etwa 40 Milliarden Euro erhöhen. Dies entspräche rund einem Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.
Die Forschenden warnen zudem vor langfristigen Fehlanreizen. Staatliche Hilfsprogramme könnten die Erwartung fördern, dass der Staat auch bei künftigen Energiepreisschocks einspringe. Dadurch werde der Umstieg auf heimische und strombasierte Energietechnologien erschwert.
Grundlage der Untersuchung sind Daten zu Energieimporten, Energiepreisen und staatlichen Entlastungsmaßnahmen in Europa. Für Deutschland wurden insbesondere die Hilfspakete der Jahre 2022 bis 2024 ausgewertet.





