
München, 14. August 2026 (JPD). Der Berliner Mietendeckel und die anhaltende Debatte über die Enteignung großer Wohnungsunternehmen haben nach einer Studie des ifo Instituts langfristige Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt der Hauptstadt. Demnach haben insbesondere Investoren und größere Wohnungsunternehmen weniger neu gebaut und saniert.
Obwohl das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel bereits 2021 für nichtig erklärt hatte, zeigt die Studie nach Angaben des Instituts noch Jahre später deutliche Effekte. Drei Jahre nach dem Ende der Regelung habe das Verhältnis von Kaufpreisen zu Mieten in Berlin etwa 10 bis 15 Prozent unter dem Niveau gelegen, das aufgrund der Entwicklung in vergleichbaren Großstädten zu erwarten gewesen wäre.
Nach dem Ende des Mietendeckels erhöhten insbesondere private Vermieter ihre Angebotsmieten. Ab 2023 lagen diese nach Berechnungen der Studienautoren etwa 10 bis 15 Prozent über dem Niveau, das ohne Mietendeckel und Enteignungsdebatte zu erwarten gewesen wäre.
Die Kaufpreise entwickelten sich dagegen schwächer. Sie stiegen nicht im gleichen Umfang wie die Mieten und blieben nach Angaben des ifo Instituts deutlich hinter der Entwicklung in anderen Großstädten zurück.
Auch die Bautätigkeit habe unter der wohnungspolitischen Unsicherheit gelitten. Vor allem größere Wohnungsunternehmen hätten Neubauten und Sanierungen reduziert. Zwar hätten private Haushalte ihre Bautätigkeit ausgeweitet, dies habe den Rückgang bei den großen Anbietern jedoch nicht ausgleichen können.
Zudem reagierten Wohnungsunternehmen laut Studie nach dem Ende des Mietendeckels mit dem Verkauf zahlreicher Wohnungen an landeseigene Gesellschaften.
Für die Untersuchung werteten die Forschenden rund 2,3 Millionen Mietangebote und 1,1 Millionen Kaufangebote in den 14 größten deutschen Städten aus den Jahren 2017 bis 2024 sowie Daten zur Bautätigkeit aus. Ergänzend entwickelten sie anhand von Artikeln aus 230 Zeitungen einen Index zur wohnungspolitischen Unsicherheit.
Nach Einschätzung der Autoren steigt diese Unsicherheit auf dem Berliner Wohnungsmarkt insbesondere dann deutlich an, wenn politische Debatten über Mietpreisbegrenzungen oder Enteignungen geführt werden. Dies wirke sich wiederum auf Investitionsentscheidungen von Wohnungsunternehmen und anderen Marktteilnehmern aus.






