Ökonomen warnen vor dauerhafter Marginalisierung Europas bei KI

Brüssel, 14. September 2026. Eine Gruppe europäischer Ökonomen, Politiker und KI-Experten warnt vor einer zunehmenden Abhängigkeit Europas von ausländischen Anbietern und Staaten bei Künstlicher Intelligenz. In einer neuen „Transformative-AI-Strategie“ fordert die Gruppe unter anderem deutlich höhere Investitionen in Rechenzentren, sichere KI-Lieferketten und eine bessere Vorbereitung der europäischen Institutionen auf die technologische Entwicklung.

Zu den Autoren und Unterstützern der Strategie gehören der Ökonom und Nobelpreisträger Philippe Aghion, die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager, die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Monika Schnitzer und ifo-Präsident Clemens Fuest.

Nach Einschätzung der Autoren droht Europa insbesondere bei Rechenleistung und der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle gegenüber den USA und China weiter zurückzufallen. Fuest erklärte, europäische Modellentwickler erzielten zusammen weniger als zwei Prozent des Umsatzes von lediglich zwei US-amerikanischen Wettbewerbern. Ohne entschlossenes Handeln drohe Europa eine dauerhafte Marginalisierung.

Die Strategie schlägt vor, Europas Anteil an der weltweiten KI-Rechenzentrumskapazität bis 2030 von derzeit rund fünf auf 15 Prozent zu erhöhen. Schnitzer zufolge wären dafür bis 2030 rund 45 Gigawatt zusätzliche Energiekapazität für Datenzentren erforderlich. Die notwendigen Investitionen beziffert sie auf etwa 1,3 Billionen Euro. Europäische Unternehmen könnten diese Summe nicht allein aufbringen, weshalb Europa auch attraktiver für ausländische Investitionen werden müsse.

Die Experten empfehlen zudem eine Allianz von EU-Mitgliedstaaten zur Absicherung strategisch wichtiger KI-Lieferketten. Europäische Institutionen sollten mehr technisches Fachwissen aufbauen und Zugang zu modernsten KI-Systemen erhalten. Zudem müsse die Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen KI-bedingten Cyberangriffen, biologischen Risiken und anderen Sicherheitsbedrohungen erhöht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Zugang zu besonders leistungsfähigen KI-Modellen. Angesichts der hohen Kosten einer eigenständigen europäischen Entwicklung von Spitzenmodellen setzt die Strategie auch darauf, verlässlichen Zugang zu ausländischer Technologie zu sichern und dafür Rechenzentren auf europäischem Boden auszubauen.

Langfristig ordnen die Autoren ihre Empfehlungen drei Bereichen zu: Europa müsse den Zugang zu Spitzen-KI sichern, seine wirtschaftliche Position innerhalb der weltweiten KI-Wertschöpfungskette stärken und mögliche Sicherheits- sowie Arbeitsmarktrisiken der Technologie begrenzen.

Die Strategie enthält nach Angaben der Initiatoren mehr als 40 Handlungsempfehlungen an die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission.

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