IW: Brexit kostet Großbritannien Wachstum und belastet deutschen Export

Köln, 19. Juni 2026 (JPD) Zehn Jahre nach dem Brexit zieht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine ernüchternde Bilanz. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union habe die britische Wirtschaft erheblich geschwächt und zugleich den deutsch-britischen Handel spürbar belastet. Nach Schätzungen sei die britische Wirtschaftsleistung infolge des Brexit um sechs bis acht Prozent niedriger ausgefallen als ohne den EU-Austritt.

Die Erwartungen der Brexit-Befürworter hätten sich weitgehend nicht erfüllt. Weder seien die erhofften wirtschaftlichen Vorteile durch geringere Regulierung und niedrigere EU-Beiträge eingetreten noch hätten sich die angekündigten neuen globalen Handelschancen in relevantem Umfang materialisiert. Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen, neuer Handelsbarrieren und fragiler Lieferketten werde die Entscheidung zum EU-Austritt inzwischen von einer Mehrheit der Briten kritisch bewertet.

Auch für Deutschland habe der Brexit wirtschaftliche Folgen gehabt. Während die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich zwischen 2006 und 2015 um nahezu 38 Prozent zulegten und damit deutlich stärker wuchsen als die Ausfuhren in die übrigen EU-Staaten, habe sich dieser Trend nach dem Referendum umgekehrt. Zwischen 2016 und 2025 seien die deutschen Exporte nach Großbritannien um rund sieben Prozent gesunken. Gleichzeitig hätten die deutschen Ausfuhren in die übrigen EU-Mitgliedstaaten um 41 Prozent zugenommen.

Nach Auffassung des IW könnte Deutschland von einer engeren Anbindung Großbritanniens an die Europäische Union profitieren. Angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheiten sei das Vereinigte Königreich nicht nur ein wichtiger Wirtschaftspartner, sondern auch ein bedeutender sicherheitspolitischer Akteur. Zudem würden die Briten innerhalb der EU als wirtschaftsliberale Stimme gelten und ein Gegengewicht zu protektionistischen und bürokratischen Tendenzen in Teilen der Union bilden.

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