ifo erwartet 2026 und 2027 jeweils 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum

München, 18. Juni 2026 (JPD) Das ifo Institut erwartet für die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent. Nach Einschätzung der Konjunkturforscher stehen sich dabei belastende und stützende Faktoren gegenüber: Während der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Anstieg der Energiepreise das Wachstum in beiden Jahren um jeweils 0,4 Prozentpunkte dämpfe, trage die expansive Finanzpolitik mit zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung jeweils 0,5 Prozentpunkte zum Wachstum bei.

Im laufenden zweiten Quartal rechnen die Ökonomen mit einer vorübergehenden Stagnation der Wirtschaft. Eine Rezession erwarten sie jedoch nicht. Ab dem dritten Quartal dürfte sich die Erholung wieder fortsetzen und zum Jahresende beschleunigen, sofern sich die Lage im Nahen Osten entspannt, erklärte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Die Forscher weisen zugleich auf die Kosten der Entwicklung hin. Das staatliche Finanzierungsdefizit dürfte von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 4,1 Prozent 2026 und 4,9 Prozent 2027 steigen. Die Staatsverschuldung werde bis 2027 auf rund 68 Prozent der Wirtschaftsleistung anwachsen. Zudem verliere Deutschland infolge der höheren Energiepreise in diesem und im kommenden Jahr rund 34 Milliarden Euro an Kaufkraft. Die Inflationsrate werde nach der Prognose 2026 auf 2,9 Prozent steigen und 2027 leicht auf 2,7 Prozent zurückgehen.

Langfristig bleibt der Ausblick verhalten. Das ifo Institut erwartet bis zum Ende des Jahrzehnts lediglich ein Potenzialwachstum von 0,1 Prozent. Als Ursachen nennen die Forscher den demografischen Wandel und die schwache Produktivitätsentwicklung. Die aktuellen staatlichen Impulse wirkten zwar stabilisierend, könnten strukturelle Probleme aber nicht dauerhaft lösen. Für ein nachhaltigeres Wachstum seien umfassende Reformen erforderlich.

Die Prognose basiert auf der Annahme, dass sich der Nahost-Konflikt in den kommenden Wochen entspannt und die Straße von Hormus offen bleibt. Sollte die jüngste Vereinbarung Bestand haben und die Energiepreise schneller sinken als bislang erwartet, könnten Inflation und Wachstumsrisiken geringer ausfallen. Bei einer erneuten Eskalation des Konflikts wären dagegen höhere Energiepreise und stärkere Belastungen für die Konjunktur zu erwarten.

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