DIW hebt Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,2 Prozent an

Berlin, 2. September 2026 (JPD). Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nach oben korrigiert. Für 2026 rechnen die Ökonomen nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent. Für 2027 erwartet das Institut ein Wachstum von 1,0 Prozent und für 2028 von 0,7 Prozent.

Ausschlaggebend für die bessere Einschätzung sind vor allem unerwartet starke Exporte im Frühsommer sowie ein bislang geringerer Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs als zunächst befürchtet. Nach Einschätzung des DIW bleibt die Erholung allerdings fragil. Hohe Gaspreise, strukturelle Probleme der Industrie und eine schwache private Binnennachfrage belasten die Aussichten.

„Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen“, erklärte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Der vergleichsweise moderate Anstieg des Ölpreises und die zuletzt starken Exporte seien teilweise Sonderfaktoren und dürften die Konjunktur nicht dauerhaft stützen.

Exporte treiben Wachstum im zweiten Quartal

Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Maßgeblich dafür war nach Angaben des DIW der Außenhandel. Die Exporte stiegen um 2,0 Prozent. Besonders kräftig entwickelten sich die Ausfuhren von Mineralölerzeugnissen und chemischen Vorprodukten.

Dabei dürften teilweise Vorzieheffekte infolge der Unsicherheit auf den Energiemärkten eine Rolle gespielt haben. Hersteller von Datenverarbeitungs- und Elektronikprodukten profitierten zudem vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren im Zuge des Booms bei Künstlicher Intelligenz.

Die Binnennachfrage blieb dagegen schwach. Der private Konsum legte lediglich um 0,1 Prozent zu. Als Belastungsfaktoren nennt das DIW eine hohe Sparquote, eine schwache Einkommensentwicklung und die angespannte Lage am Arbeitsmarkt. Auch die privaten Investitionen entwickelten sich verhalten.

Staat trägt rund 70 Prozent des Wachstums

Die wichtigsten Wachstumsimpulse kommen derzeit von der öffentlichen Hand. Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums 2026 gehen laut DIW auf öffentlichen Konsum und staatliche Investitionen zurück.

Dabei spielen insbesondere Investitionen aus dem Sondervermögen für Klimaschutz und Infrastruktur sowie höhere Verteidigungsausgaben eine Rolle. Hinzu kommen steigende staatliche Ausgaben unter anderem für Gesundheit, Pflege und Rente.

„Derzeit verdankt die Konjunktur ihre Dynamik vor allem der öffentlichen Hand“, erklärte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die größte Schwachstelle bleibe die private Binnennachfrage. Insbesondere die privaten Investitionen seien weiterhin zu gering, um Deutschlands Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

DIW erwartet Stagnation im dritten Quartal

Für das dritte Quartal erwartet das DIW keine weitere Zunahme der Wirtschaftsleistung. Hohe Energiepreise und Niedrigwasser auf wichtigen Wasserstraßen belasten insbesondere energieintensive Branchen wie die Chemie- und Metallindustrie.

Vor allem die hohen Gaspreise stellen nach Einschätzung der Forscher ein Risiko für das kommende Winterhalbjahr dar. Zudem könnten sich die Belastungen des jüngsten Energiepreisschocks erst mit Verzögerung vollständig in der Wirtschaft bemerkbar machen.

Das DIW erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 2,7 Prozent. Für 2027 werden 2,6 Prozent und für 2028 wieder 2,0 Prozent prognostiziert. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr bei 6,4 Prozent liegen und anschließend auf 6,2 beziehungsweise 5,8 Prozent sinken.

Auch für die Weltwirtschaft bleibt das Institut vorsichtig optimistisch. Für 2026 und 2027 wird jeweils ein Wachstum von 3,2 Prozent erwartet, für 2028 von 3,4 Prozent. Zu den größten Risiken zählen eine weitere Eskalation des Iran-Kriegs, neue Handelskonflikte sowie ein mögliches Nachlassen des derzeitigen KI-Investitionsbooms.

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