
Wiesbaden, 3. Juli 2026 (JPD). Die Zahl der Adoptionen in Deutschland ist im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit der deutschen Vereinigung gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden bundesweit 3.517 Kinder adoptiert. Das waren 145 Kinder oder vier Prozent weniger als im Vorjahr.
Damit setzte sich der langfristige Rückgang der Adoptionen fort. Nach dem Höchststand von 8.687 Adoptionen im Jahr 1993 hatte sich die Zahl bis 2009 mehr als halbiert. Seitdem bewegt sie sich auf niedrigem Niveau zwischen etwa 3.500 und 4.100 Fällen, zuletzt mit leicht rückläufiger Tendenz.
Mehr als ein Viertel der 2025 adoptierten Kinder war zum Zeitpunkt der Adoption jünger als ein Jahr. Weitere 31 Prozent waren ein oder zwei Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Kinder lag bei 5,1 Jahren. Die meisten Kinder lebten vor der Adoption bei einem leiblichen Elternteil und einem Stiefelternteil.
Besonders prägend bleibt der Trend zu Stiefkindadoptionen. Ihr Anteil an allen Adoptionen stieg von 54 Prozent im Jahr 2010 auf 75 Prozent im Jahr 2025 und erreichte damit einen neuen Höchststand. Insgesamt wurden 45 Prozent der adoptierten Kinder von Stiefmüttern und 30 Prozent von Stiefvätern angenommen.
Die Entwicklung hängt nach Angaben der Statistik auch mit gleichgeschlechtlichen Frauenpaaren zusammen. Wird ein Kind in eine bestehende Partnerschaft zweier Frauen geboren, kann die Partnerin der leiblichen Mutter die rechtliche Elternstellung bislang nur über eine Stiefkindadoption erlangen. Im Jahr 2025 adoptierten 1.586 Stiefmütter ein Kind; in 80 Prozent dieser Fälle handelte es sich um Frauenpaare ohne Angaben zum Kindsvater. Der Anteil dieser Konstellationen an allen Adoptionen stieg auf 36 Prozent.
Auch bei der Adoptionsvermittlung wurden historische Tiefststände erreicht. Die Zahl der klassischen Fremdadoptionen, also Adoptionen durch Personen, die weder Stiefeltern noch Verwandte des Kindes sind, sank 2025 auf 819 Fälle. Ebenfalls auf Tiefstwerte fielen die Zahl der für eine Adoption vorgemerkten Kinder mit 642 sowie die Zahl der Adoptionsbewerbungen mit 3.187 Fällen. Damit kamen rechnerisch fünf potenzielle Adoptivfamilien auf ein vorgemerktes Kind.
Als mögliche Gründe für die sinkenden Fallzahlen nennt Destatis unter anderem veränderte Familienformen, den Ausbau staatlicher Hilfen für Familien, strengere Regeln zum Kinderschutz und Fortschritte in der Reproduktionsmedizin.





