JVA Köln für innovative Suizidprävention ausgezeichnet

Köln, 10. Juli 2026 (JPD). Die Justizvollzugsanstalt Köln ist mit dem Suizidpräventionspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft für Suizidprävention ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am Donnerstag statt. Erstmals erhielt damit eine Justizvollzugsanstalt aus Nordrhein-Westfalen die seit 2012 bundesweit vergebene Auszeichnung.

Der Preis würdigt innovative und praxisbewährte Maßnahmen, die wirksam zur Suizidprävention beitragen und als Vorbild für andere Einrichtungen dienen können. Ausgezeichnet wurde die Suizidpräventionsabteilung der JVA Köln, die sich an akut suizidgefährdete und psychisch schwer belastete Gefangene richtet.

Das Konzept verbindet psychologische, pädagogische, seelsorgerische und vollzugliche Angebote. Über alltagsnahe Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Stricken und kreative Gruppenangebote soll zunächst eine Vertrauensbasis zu den Inhaftierten aufgebaut werden. Ergänzt wird dies durch sprachliche Unterstützung, insbesondere für Erstinhaftierte, sowie eine eng abgestimmte interdisziplinäre Betreuung.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums sollen dadurch auch Gefangene erreicht werden, die klassischen Hilfsangeboten zunächst zurückhaltend gegenüberstehen. Das Konzept gehe damit über eine reine Krisenintervention hinaus.

Justizminister Benjamin Limbach würdigte die Arbeit der Beschäftigten. Suizidprävention gehöre zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Justizvollzug. Die Mitarbeiter der JVA Köln leisteten herausragende Arbeit zum Schutz von Menschen in besonders vulnerablen Situationen.

Die Suizidpräventionsabteilung war 2026 bereits mit dem Hans-Rost-Preis der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention ausgezeichnet worden. Weitere Justizvollzugsanstalten wollen sich nach Angaben des Ministeriums bei ihrer Präventionsarbeit an dem Kölner Konzept orientieren.

Die Leiterin der JVA Köln, Angela Wotzlaw, bezeichnete die Auszeichnung als Anerkennung und Verpflichtung. Die Suizidprävention solle auch künftig als wesentlicher Bestandteil eines verantwortungsvollen und humanen Justizvollzugs weiterentwickelt werden.

Das nordrhein-westfälische Konzept zur Suizidprävention im Justizvollzug war 2022 modernisiert worden. In allen Anstalten wurden Suizidpräventionsbeauftragte ernannt. Dabei handelt es sich um vollzugserfahrene und besonders geschulte Psychologen, die anstaltsbezogene Präventionskonzepte erstellen, Bedienstete schulen und Suizide sowie Suizidversuche systematisch aufarbeiten.

Hinzu kommt ein mehrstufiges Screening-System. Neben einer Untersuchung bei der Aufnahme sind weitere Screenings während des ersten Haftjahres und bei besonderen Belastungssituationen vorgesehen. Je nach Gefährdungsgrad werden betroffene Gefangene unterschiedlich intensiv betreut. Als Sicherungsmaßnahmen kommen unter anderem gemeinschaftliche Unterbringung, unregelmäßige Beobachtungen und eine ununterbrochene Kameraüberwachung in Betracht.

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