
Berlin, 27. Juli 2026 (JPD). Hohe Energiepreise führen bei deutschen Unternehmen zunehmend zu aufgeschobenen Investitionen und Produktionsverlagerungen ins Ausland. Das geht aus dem Energiewende-Barometer 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer hervor, für das im Juni rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft befragt wurden.
Nach zwei Jahren der Erholung fiel das Barometer auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 wieder auf minus elf Punkte. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende oder die damit verbundenen Energiekosten beeinträchtigt. In der Industrie liegt der Anteil bei rund zwei Dritteln, im Handel bei 40 Prozent.
Für knapp die Hälfte der Unternehmen sind die Stromkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate erneut gestiegen. Bei Gas und Öl berichten etwa zwei Drittel von höheren Belastungen.
Investitionen in Kernprozesse und Klimaschutz werden verschoben
Die hohen Energiekosten wirken sich nach Angaben der DIHK zunehmend auf die Investitionstätigkeit aus. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in betriebliche Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in den Klimaschutz zurück. Investitionen in Forschung und Innovation werden von 16 Prozent der Unternehmen aufgeschoben.
DIHK-Präsident Peter Adrian warnte vor langfristigen Folgen für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Hohe Energiepreise belasteten inzwischen nicht mehr nur das laufende Geschäft, sondern verhinderten auch Zukunftsinvestitionen.
Große Industrieunternehmen besonders häufig betroffen
Rund 20 Prozent aller befragten Unternehmen beschäftigen sich laut der Erhebung mit der Einstellung wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland oder einer Verlagerung ins Ausland. Dazu zählen Unternehmen, die entsprechende Schritte prüfen, bereits umsetzen oder abgeschlossen haben.
In der Industrie liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent. Unter den großen Industrieunternehmen befassen sich rund 60 Prozent mit entsprechenden Maßnahmen. Etwa jedes dritte große Industrieunternehmen gab an, Verlagerungen bereits umzusetzen.
Adrian erklärte, die Unternehmen unterstützten grundsätzlich das Ziel der Klimaneutralität. Die mit der Transformation verbundenen Kosten drohten jedoch zunehmend selbst zum Hindernis für die Energiewende zu werden.
Unternehmen fordern niedrigere Stromkosten
Bei den energiepolitischen Prioritäten steht für die Unternehmen der Ausbau der Energieinfrastruktur an erster Stelle. Vier von fünf Befragten fordern mehr Verlässlichkeit und eine höhere Geschwindigkeit beim Ausbau der Netze und weiterer Infrastruktur.
Eine Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis befürworten 78 Prozent der Unternehmen. Knapp drei Viertel wünschen sich zudem ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau einer zukunftsfähigen Energieinfrastruktur.
Eine ähnlich große Mehrheit spricht sich dafür aus, Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit stärker zu Leitprinzipien der Energieeffizienzpolitik zu machen.
Die DIHK fordert unter anderem eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen, schnellere Netzanschlüsse sowie einen Abbau regulatorischer Vorgaben. Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit müssten gemeinsam verfolgt werden.
Für das Energiewende-Barometer 2026 wurden im Juni rund 3.100 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen befragt. Nach Angaben der DIHK wurden die Ergebnisse regional und branchenbezogen gewichtet.




