ifo Institut warnt vor struktureller Investitionsschwäche der Industrie

München, 24. Juli 2026 (JPD). Das ifo Institut sieht in der anhaltenden Investitionsschwäche der deutschen Industrie ein strukturelles Problem. Die geringe Dynamik großer Industriezweige wie des Maschinenbaus und der Automobilindustrie könne durch höhere Investitionen in wachstumsstarken Bereichen wie der Pharma- und Halbleiterindustrie nicht ausgeglichen werden, teilte das Institut am Freitag mit.

Dies belaste die langfristigen Wachstumsperspektiven der deutschen Industrie, sagte Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation.

Für ihre Untersuchungen werteten die Forscher neben Daten des Statistischen Bundesamtes auch die ifo-Konjunkturumfragen und öffentlich angekündigte Investitionsprojekte aus. Demnach plante die Mehrheit der Unternehmen bereits 2025 geringere Investitionen als im Vorjahr. Auch für 2026 bleibe die Investitionsbereitschaft insgesamt schwach.

Einzelne Branchen zeigen höhere Investitionstätigkeit

Zuletzt seien jedoch Anzeichen für stärkere Investitionen in einzelnen Bereichen erkennbar. In der Automobilindustrie werde die Entwicklung insbesondere von Projekten großer Unternehmen im Bereich Elektromobilität getragen.

In der Pharmaindustrie konzentrierten sich die Vorhaben vor allem auf neue Forschungs- und Produktionskapazitäten für zukunftsträchtige Therapien. Auch in der Metallherstellung lägen sowohl die Zahl der Projekte als auch das Investitionsvolumen über den Erwartungen.

Besonders deutlich steche der sonstige Fahrzeugbau hervor. Nach Angaben des ifo Instituts machen sich dort die stark gestiegenen Aufträge für Militärtechnik bemerkbar.

ifo fordert verlässliche politische Rahmenbedingungen

Für eine nachhaltige Trendwende müssten nach Einschätzung der Forscher die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für bestehende Unternehmen verbessert und disruptive Innovationen in Hightech-Branchen stärker gefördert werden.

Erforderlich seien langfristige und verlässliche politische Strategien insbesondere für die Dekarbonisierung und Digitalisierung. Kurzfristige politische Kurswechsel erschwerten dagegen Investitionsentscheidungen.

„Die Industrie braucht Planungssicherheit, sonst entsteht nicht die Dynamik, mit der sich die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen wieder verbessert“, sagte Falck.

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