
München, 25. Juni 2026 (JPD) Der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, sieht in der anhaltenden Ausweitung des Staatskonsums ein Risiko für das langfristige Wirtschaftswachstum in Deutschland. Die wirtschaftliche Lage sei angesichts rückläufiger privater Investitionen deutlich schlechter, als das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts vermuten lasse.
Nach Angaben des ifo Instituts ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt seit 2015 zwar um neun Prozent gestiegen. Gleichzeitig seien die privaten Investitionen seit 2019 zurückgegangen und lägen inzwischen wieder auf dem Niveau von 2015. Im selben Zeitraum habe der Staatskonsum um 29 Prozent zugenommen.
„Es ist dringend nötig, die Schere zwischen sinkenden privaten Investitionen und expandierenden Staatsausgaben zu schließen“, erklärte Fuest. Dafür müsse die Politik die staatlichen Konsumausgaben begrenzen und zugleich Reformen umsetzen, die private Investitionen fördern.
Zum Staatskonsum zählen unter anderem Personalausgaben im öffentlichen Dienst, Sachausgaben der Behörden sowie soziale Sachtransfers wie Gesundheits- und Pflegeleistungen. Wachsen diese Ausgaben dauerhaft schneller als die Wirtschaftsleistung, führe dies nach Einschätzung des ifo Instituts zu höheren Defiziten, die langfristig durch steigende Steuern und Abgaben finanziert werden müssten. Dies könne die Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft zusätzlich belasten.
Fuest wies zudem die Erklärung zurück, die Entwicklung sei vor allem auf den demografischen Wandel oder krisenbedingte Mehrausgaben zurückzuführen. Im europäischen Vergleich sei der Staatskonsum nicht stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung.



