Verfassungsschutz Brandenburg warnt vor Radikalisierung Jugendlicher in sozialen Medien

Potsdam, 5. Juni 2026 (JPD) Der Verfassungsschutz Brandenburg beobachtet eine zunehmende Radikalisierung von Jugendlichen durch extremistische Akteure in sozialen Medien. Das geht aus dem am Freitag vorgestellten Verfassungsschutzbericht 2025 hervor. Innenminister Jan Redmann und Verfassungsschutzleiter Wilfried Peters verwiesen auf gezielte Anwerbungs- und Einflussversuche durch gewaltorientierte Rechtsextremisten, Islamisten und Linksextremisten.

Daneben registriert der Verfassungsschutz anhaltende Spionageaktivitäten und Desinformationskampagnen im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Angaben des Innenministeriums kommen dabei verstärkt künstliche Intelligenz, Chatbots und synthetische Avatare zum Einsatz, um gesellschaftliche Konfliktlinien zu vertiefen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der Verfassungsschutz habe diesen Bereich deshalb besonders priorisiert.

Extremistisches Personenpotenzial steigt deutlich an

Das Gesamtpersonenpotenzial extremistischer Bestrebungen in Brandenburg stieg 2025 auf 7.540 Personen und damit um 2.035 gegenüber dem Vorjahr. Den größten Anteil stellt weiterhin der Rechtsextremismus mit 5.890 Personen. Auch im Linksextremismus mit 660 Personen und im Islamismus mit 260 Personen wurden Höchststände seit Beginn der Erfassung verzeichnet. Die Zahl der Reichsbürger und Selbstverwalter sank dagegen auf 650 Personen.

Von den Rechtsextremisten gelten 1.460 als gewaltorientiert. Das Personenpotenzial rechtsextremistischer Parteien erhöhte sich auf 3.810 Personen, darunter 3.600 Mitglieder der AfD. Hintergrund ist nach Angaben des Verfassungsschutzes die Hochstufung des brandenburgischen AfD-Landesverbandes zur gesichert extremistischen Bestrebung im April 2025. Peters betonte, dies bedeute nicht, dass jedes Mitglied automatisch als rechtsextremistisch eingestuft werde.

Neben den Parteien erfasste der Verfassungsschutz 20 parteiunabhängige rechtsextremistische Strukturen mit insgesamt 450 Personen. Zudem weitete die Szene ihre Konzertaktivitäten nach mehr als einem Jahrzehnt wieder spürbar aus. Das unstrukturierte rechtsextremistische Personenpotenzial umfasst 1.920 Personen.

Im Linksextremismus stieg die Mitgliederzahl der „Roten Hilfe“ auf 450. Die Zahl gewaltorientierter Autonomer erhöhte sich auf 220. Darüber hinaus registrierte der Verfassungsschutz neue Strukturen im Umfeld dogmatisch-linksextremistischer Organisationen und Jugendgruppen.

Verfassungsschutz sieht Risiken durch Muslimbruderschaft

Im Bereich Islamismus werden 60 Personen dem sogenannten demokratieunterwandernden Spektrum zugerechnet, das vor allem Anhänger der Muslimbruderschaft umfasst. Der Verfassungsschutz warnt vor deren langfristiger Einflussnahme auf muslimische Gemeinschaften. Das gewaltorientierte salafistische Personenpotenzial stieg auf 200 Personen. Darunter befinden sich 110 Personen mit Bezügen zur Islamistischen Nordkaukasischen Szene.

Die Zahl der Sicherheitsüberprüfungen für sensible Tätigkeiten erhöhte sich auf 580. Hinzu kamen mehr als 8.100 Zuverlässigkeitsüberprüfungen sowie rund 20.500 Anfragen nach dem Waffenrecht. Gleichzeitig verzeichnete der Verfassungsschutz mit 145 Informationsveranstaltungen und rund 7.800 Teilnehmern neue Höchststände bei seinen Präventions- und Informationsangeboten.

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