Politisch motivierte Kriminalität bleibt in Niedersachsen auf hohem Niveau

Hannover, 18. Mai 2026 (JPD) Die Zahl politisch motivierter Straftaten in Niedersachsen hat sich im Jahr 2025 mit 8.309 Fällen auf nahezu unverändert hohem Niveau bewegt. Maßgeblicher Einflussfaktor war die Bundestagswahl, im Zusammenhang mit der 1.644 Straftaten registriert wurden. Damit prägte der Urnengang das Kriminalitätsgeschehen stärker als die Europawahl im Vorjahr. Auch internationale Konflikte wirkten sich auf die Entwicklung in einzelnen Phänomenbereichen aus.

PMK in Niedersachsen: Wahljahr treibt Fallzahlen und verschiebt Schwerpunkte

Mit 3.758 Fällen bleibt der Phänomenbereich „rechts“ trotz eines Rückgangs um rund sieben Prozent weiterhin der größte Bereich der politisch motivierten Kriminalität. Propagandadelikte machen rund 56 Prozent aus, Gewaltstraftaten stiegen leicht auf 110 Fälle. Fremden- und ausländerfeindliche Delikte gingen zurück, während der Anteil rechter Tatmotivation in diesen Bereichen bei rund 79 Prozent lag. Insgesamt bleibt der Bereich laut Innenministerium der Schwerpunkt der PMK in Niedersachsen.

Die PMK „links“ verzeichnete einen deutlichen Anstieg um mehr als 30 Prozent auf 1.589 Fälle und damit den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung. Mehr als die Hälfte der Taten fiel in die ersten beiden Monate des Jahres und stand häufig im Zusammenhang mit der Bundestagswahl. Die linksmotivierte Gewaltkriminalität blieb mit 97 Fällen nahezu stabil, darunter auch Brandanschläge im Zusammenhang mit polizeilichen Einsatzlagen. Insgesamt richteten sich 158 Straftaten gegen die Polizei.

Im Bereich „sonstige Zuordnung“ sank die Zahl der Fälle um rund acht Prozent auf 2.236. Auch die Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter ging deutlich zurück, ebenso die dort erfassten Gewaltdelikte. Dagegen stieg die PMK „ausländische Ideologie“ auf 519 Fälle und erreichte einen Höchststand seit 2017. Die PMK „religiöse Ideologie“ nahm um rund 35 Prozent auf 207 Fälle zu, insbesondere durch Bombendrohungen gegen Schulen im Zusammenhang mit islamistisch motivierten Inhalten.

Die Gesamtzahl der Gewaltdelikte der PMK sank auf 308 Fälle. Zugleich stiegen Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger deutlich um rund 23 Prozent auf 797 Fälle und erreichten einen neuen Höchststand. Antisemitische Straftaten gingen auf 385 Fälle zurück, während LSBTIQ-feindliche Delikte leicht auf 208 Fälle sanken. Straftaten im Bereich Hass im Netz nahmen um rund acht Prozent auf 1.587 Fälle ab, bleiben jedoch ein wesentlicher Anteil der Gesamtkriminalität.

Im Bereich hybrider Bedrohungen registrierten die Behörden einen deutlichen Anstieg insbesondere bei Spionagefällen auf 116 Vorgänge, darunter überwiegend Drohnensichtungen. Insgesamt wurden fünf terroristische Straftaten erfasst, ein Anschlagsgeschehen trat nicht ein. Innenministerin Daniela Behrens sprach von einer „anhaltend ernsten Bedrohungslage“, betonte jedoch zugleich, dass die Zahl schwerer terroristischer Straftaten im Zehnjahresvergleich zurückgegangen sei.

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