Verfassungsschutzbericht: Bayern sieht steigende Gewaltbereitschaft in allen Extremismusfeldern

München, 20. April 2026 (JPD) Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat den Verfassungsschutzbericht 2025 vorgestellt und vor einer Zunahme hybrider Bedrohungen sowie steigender Gewaltbereitschaft in allen Extremismusbereichen gewarnt. Spionage, Sabotage und gezielte Desinformation hätten im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, ebenso Cyberangriffe und politisch motivierte digitale Attacken. Parallel bleibe die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus weiterhin hoch.

Zunahme hybrider Bedrohungen und Extremismus

Herrmann verwies auf mehr als 1.000 Drohnensichtungen im Umfeld von Flughäfen und kritischer Infrastruktur, die als Teil möglicher Spionage- und Sabotageaktivitäten gewertet würden. Solche Maßnahmen dienten sowohl ausländischen Akteuren als auch inländischen Extremisten zur Destabilisierung. Auch Cyberangriffe hätten sich professionalisiert und würden zunehmend politisch motiviert eingesetzt, etwa im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine.

Im Bereich des islamistischen Terrorismus sieht der Verfassungsschutz weiterhin eine hohe Gefährdungslage. Als Beispiel nannte Herrmann den Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München. Besonders gefährdet seien Minderjährige und junge Erwachsene, die über soziale Medien radikalisiert würden. Sicherheitsbehörden hätten Anschlagsplanungen durch Jugendliche frühzeitig verhindern können.

Auch im Rechtsextremismus und Linksextremismus registriert der Bericht eine steigende Gewaltbereitschaft. Besonders deutlich sei der Anstieg linksextremistisch motivierter Gewaltdelikte von 16 auf 72 Fälle, was einem Plus von rund 350 Prozent entspricht. Insgesamt gingen rund 51 Prozent aller extremistischen Gewalttaten auf linksextreme Motive zurück.

Die AfD wird in Bayern weiterhin durch das Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden habe sich die Partei zwar öffentlich moderater präsentiert, eine klare Abgrenzung zu extremistischen Strömungen bestehe jedoch nicht.

Im Bereich der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter ist das Personenpotenzial erstmals seit Jahren rückläufig und liegt bei rund 5.070 Personen. Dies entspricht einem Rückgang von 6,6 Prozent. Die Behörden führen dies unter anderem auf Verbotsmaßnahmen zurück.

Herrmann warnte zudem vor unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus in allen extremistischen Spektren. Diese reichten von rechtsextremen Narrativen über antiisraelische Positionen im Linksextremismus bis hin zu islamistisch motivierter Judenfeindlichkeit. Die Staatsregierung werde dieser Entwicklung konsequent entgegentreten, so der Innenminister.

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