IWH-Konjunkturprognose sieht deutsche Wirtschaft zwischen Energiekrise und KI-Boom

Halle (Saale), 11. Juni 2026 (JPD) Die deutsche Wirtschaft dürfte sich nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Jahr 2026 nur moderat entwickeln. In der Sommerprognose gehen die Forscher unter der Annahme stabiler Energiepreise und einer Entspannung des Golfkonflikts von einem Produktionswachstum von jeweils 0,9 Prozent für 2026 und 2027 aus. Damit korrigiert das Institut frühere Erwartungen leicht nach oben.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird nach Angaben des IWH wesentlich von geopolitischen Rahmenbedingungen geprägt. Der aktuelle Golfkonflikt habe die Energiepreise deutlich steigen lassen und wirke sich global auf die Verbraucherpreise aus. Der Angebotsausfall bei Erdöl werde derzeit nur teilweise durch Lagerabbau und reduzierten Verbrauch kompensiert, da eine Wiederöffnung der Straße von Hormus im Sommer erwartet werde. Gleichzeitig stützten ein globaler KI-Boom sowie erhöhte Investitionen in Rüstungs- und Energieinfrastruktur die Weltkonjunktur.

Energiepreise, Außenhandel und Finanzpolitik bestimmen Konjunkturverlauf

Für Deutschland zeichnete sich zu Jahresbeginn noch ein moderater Aufschwung ab, getragen von steigenden Exporten insbesondere in europäische Nachbarländer. Im weiteren Jahresverlauf erscheine ein stabiles Aufholwachstum jedoch unsicher, da höhere Energiepreise die Produktionskosten erhöhen und die Kaufkraft der privaten Haushalte belasten. Zudem sei die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe rückläufig, während die Gesamtzahl der Erwerbstätigen bereits seit dem vergangenen Sommer leicht sinke.

Gleichzeitig stabilisieren nach Einschätzung des IWH die Finanzpolitik und die Binnennachfrage die Konjunktur. Öffentliche Konsumausgaben und Investitionsprogramme stützten insbesondere den Bausektor, während bei den Exporten nach drei Jahren Rückgang wieder ein leichter Anstieg möglich erscheine. Auch die privaten Konsumausgaben dürften in Verbindung mit steigenden realen Einkommen moderat zulegen.

Als zentrales Risiko nennt das IWH den weiteren Verlauf des Golfkonflikts. Sollte die Straße von Hormus länger geschlossen bleiben, könnten Energiepreise, Inflation und Zinsen deutlich steigen und die deutsche Wirtschaftsleistung 2026 stagnieren lassen. Neben geopolitischen Faktoren verweist das Institut auf Unsicherheiten durch die Einführung Künstlicher Intelligenz, die sowohl Produktivitätsgewinne als auch kurzfristige Beschäftigungsrisiken mit sich bringen könne.

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