
München, 2. Juli 2026 (JPD). Das deutsche Sozialbudget wird nach einer neuen Studie des ifo Instituts zunehmend von Renten- und Gesundheitsausgaben geprägt. Rund 70 Prozent aller Sozialausgaben fließen demnach in die Bereiche Alter und Krankheit. Das Institut sieht darin vor allem die Folgen des demografischen Wandels.
Seit 1992 ist das Sozialbudget in Deutschland preisbereinigt um knapp 60 Prozent gestiegen. Im Jahr 2024 entsprach es rund 31 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. 1992 hatte der Anteil noch bei 26 Prozent gelegen. Nach Angaben der ifo-Forscherinnen Lilly Fischer und Emilie Höslinger hängen mehr als 80 Prozent des Ausgabenzuwachses mit den Funktionen Alter und Krankheit zusammen.
„Der Sozialstaat wächst vor allem strukturell durch den demografischen Wandel. Das geschieht vor allem zu Lasten der jungen Generation“, erklärte ifo-Forscherin Lilly Fischer. Die Studie zeigt zugleich, dass der Sozialstaat in Krisenjahren als automatischer Stabilisator wirkt: In wirtschaftlichen Schockphasen stieg die Sozialbudgetquote jeweils an, anschließend folgten Phasen der Stabilisierung.
Steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgesysteme wie Arbeitslosenunterstützung, Familienleistungen, Wohngeld oder Hilfen für Menschen mit Behinderung machen nach der Studie heute etwa ein Fünftel des Sozialbudgets aus. Die realen Ausgaben in diesen Bereichen wuchsen seit 1992 um fast 130 Prozent. Besonders stark legten innerhalb dieser Systeme die Ausgaben für Kinder und Jugendliche zu; sie stiegen um mehr als 140 Prozent. Ihr Beitrag zum gesamten Zuwachs des Sozialbudgets lag dennoch nur bei rund 17 Prozent.
Der Bereich Arbeitslosigkeit blieb über den gesamten Zeitraum ein relevanter Ausgabenblock, tritt nach Angaben des ifo Instituts aber gegenüber den alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen zunehmend in den Hintergrund.
Die Studie basiert auf Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum deutschen Sozialbudget für die Jahre 1992 bis 2024. Erfasst sind neben steuerfinanzierten Transfers und Leistungen der Sozialversicherungen auch betriebliche und private Leistungen, etwa Betriebsrenten oder Riester-Renten.





