
Deutschland, 7. September 2026 (JPD) In Deutschland könnten im Jahr 2029 rund 723.000 Fachkräfte fehlen. Das wären 47 Prozent mehr als 2024, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Besonders groß dürfte die Lücke bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung ausfallen. Allein im Verkauf könnten nach der Fortschreibung mehr als 39.000 Arbeitskräfte fehlen.
Die Studie schreibt die Entwicklungen der Jahre 2018 bis 2024 in rund 1.300 Berufen bis 2029 fort. Nicht berücksichtigt sind mögliche Trendänderungen wie der aktuelle Geburtenrückgang oder eine zusätzliche Arbeitskräftenachfrage infolge des Sondervermögens. Die IW-Forscher weisen zudem darauf hin, dass die Berechnungen keine Prognose darstellen, sondern zeigen, wie sich der Arbeitsmarkt bei einer Fortsetzung bisheriger Trends entwickeln würde.
Fachkräftemangel trifft Bau, Industrie und Handwerk
Ein wesentlicher Treiber des Fachkräftemangels ist der demografische Wandel. In den kommenden Jahren scheiden zunehmend Beschäftigte der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben aus. Zugleich könnte eine geringere Zuwanderung den Mangel weiter verschärfen.
Besondere Engpässe erwartet das IW auch in Bereichen, in denen in den kommenden Jahren hohe Investitionen vorgesehen sind. Für Bauplanung und -überwachung könnten 2029 rund 15.000 Fachkräfte fehlen. Noch größer ist der Bedarf in mehreren Ausbildungsberufen: In der Kraftfahrzeugtechnik rechnet die Studie mit einer Lücke von rund 15.900 Fachkräften, in der elektrischen Betriebstechnik mit 13.800 und in der Mechatronik mit 13.600.
IW fordert stärkere Arbeitsanreize und mehr Zuwanderung
Der strukturelle Fachkräftemangel dürfte nach Einschätzung des IW trotz der derzeit zurückhaltenden Personalplanung vieler Unternehmen anhalten. „Der Fachkräftemangel wird sich daher in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“, sagte IW-Fachkräfteexperte Alexander Burstedde.
Kurzfristig seien zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Burstedde sprach sich für stärkere Arbeitsanreize und mehr qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten außerhalb der EU aus. Nach Einschätzung des IW reichen inländische Arbeitskräftepotenziale angesichts des demografischen Wandels allein nicht aus, um die wachsende Fachkräftelücke zu schließen.




