
Köln, 14. September 2026. Deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in China investiert. Damit lagen die Investitionen etwa ein Drittel über dem Wert des Vorjahreszeitraums, wie eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank zeigt.
Im längerfristigen Vergleich ist das Investitionsvolumen nach Angaben des IW allerdings nicht ungewöhnlich hoch. Der durchschnittliche Halbjahreswert der Jahre 2020 bis 2025 lag ebenfalls bei rund 5,6 Milliarden Euro.
Hinter der Gesamtentwicklung stehen laut IW gegenläufige Trends. Während ein Teil der deutschen Unternehmen sein Engagement in China reduziert und Beteiligungen verkauft, investieren andere Firmen weiterhin erheblich in den Standort. Seit 2017 überstieg der Wert aufgelöster Beteiligungen denjenigen neuer Beteiligungen. Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Unternehmen demnach jährlich durchschnittlich rund zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen, während Beteiligungen im Wert von etwa 3,6 Milliarden Euro aufgelöst wurden. Daraus ergab sich ein jährlicher Nettoabfluss von rund 1,6 Milliarden Euro. Für 2025 schätzt das IW einen Abfluss in ähnlicher Höhe.
Auch bei Direktinvestitionskrediten zeigt sich eine Veränderung. Seit 2023 fließt nach Angaben des Instituts zunehmend Kapital von chinesischen Tochtergesellschaften an ihre deutschen Mutterkonzerne zurück. Im Jahr 2025 belief sich dieser Betrag auf rund 2,7 Milliarden Euro.
Gleichzeitig will ein großer Teil der deutschen Unternehmen sein China-Geschäft fortsetzen oder ausbauen. Nach Angaben der AHK Greater China wollen mehr als 85 Prozent der deutschen Tochterunternehmen ihr Engagement mindestens auf dem bisherigen Niveau halten. Mehr als die Hälfte plant demnach zusätzliche Investitionen.
Diese werden zunehmend aus Gewinnen finanziert, die unmittelbar in China erwirtschaftet werden. Die reinvestierten Gewinne deutscher Unternehmen beliefen sich 2025 laut IW auf rund 7,8 Milliarden Euro. Zwischen 2017 und 2024 waren es im Jahresdurchschnitt etwa 5,4 Milliarden Euro.
Das IW führt die anhaltenden Investitionen unter anderem auf die Bedeutung Chinas als Absatzmarkt und auf den hohen Wettbewerbsdruck zurück. Unternehmen nutzten den chinesischen Markt teilweise auch, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber chinesischen Konkurrenten zu verbessern. Zugleich kritisiert das Institut staatliche Subventionen und weitere Wettbewerbsvorteile chinesischer Unternehmen und warnt vor einer Verlagerung von Produktion und Arbeitsplätzen aus Deutschland nach China.
Das IW spricht sich vor diesem Hintergrund dafür aus, Wettbewerbsverzerrungen stärker handelspolitisch auszugleichen und gegebenenfalls Ausgleichszölle auf chinesische Importe zu erheben.
Die ausgewerteten Bundesbankdaten erfassen Kapitalströme und nicht den gesamten Bestand deutscher Direktinvestitionen in China. Nach Angaben des IW können einzelne Großtransaktionen die Werte erheblich beeinflussen. Der Halbjahreswert für 2026 lasse sich daher nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen.





