
Braunschweig, 9. September 2026 (JPD) Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im Zusammenhang mit den schweren Misshandlungen einer damals 32-jährigen Frau in Salzgitter Anklage gegen vier Personen zur Großen Strafkammer des Landgerichts Braunschweig erhoben. Angeschuldigt sind zwei Männer im Alter von 54 und 50 Jahren sowie zwei Frauen im Alter von 63 und 29 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen, die Geschädigte über einen Zeitraum von rund viereinhalb Jahren wiederholt erheblich körperlich misshandelt und gedemütigt zu haben. Der Anklage liegen insgesamt 33 Einzelfälle zugrunde.
Der 63-jährigen Angeschuldigten werden zwischen September 2021 und März 2026 insgesamt 26 Körperverletzungshandlungen vorgeworfen, darunter zwei Fälle schwerer und 24 Fälle gefährlicher Körperverletzung. Dem 50-jährigen Mann legt die Staatsanwaltschaft zehn Körperverletzungen zur Last, darunter ebenfalls zwei schwere sowie sieben gefährliche Körperverletzungen. Die 29-Jährige soll die Frau in elf Fällen gefährlich körperlich misshandelt haben, dem 54-Jährigen werden zwei gefährliche und eine einfache Körperverletzung vorgeworfen.
Staatsanwaltschaft schildert jahrelanges Abhängigkeitsverhältnis
Nach dem Ergebnis der Ermittlungen war die Geschädigte mit den beiden angeschuldigten Frauen seit Jahren eng verbunden. Nachdem sie infolge einer Trennung obdachlos geworden war, soll sie zeitweise bei der jüngeren Frau gewohnt haben; später hätten die Frauen ihr eine Wohnung verschafft und sie bei finanziellen sowie behördlichen Angelegenheiten unterstützt. Im Gegenzug habe die Geschädigte nahezu täglich unentgeltlich Reinigungsarbeiten und Besorgungen für die beiden erledigt.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft entwickelte sich daraus ein zunehmendes Abhängigkeitsverhältnis. Wegen vermeintlicher Fehler sollen die beiden Frauen zunächst mit Ohrfeigen und Faustschlägen reagiert und die Gewalt anschließend erheblich gesteigert haben. Teilweise sollen sich auch der Ehemann der älteren Frau sowie der Lebensgefährte der jüngeren Angeschuldigten an den Misshandlungen beteiligt haben.
Gewalt mit verschiedenen Gegenständen angeklagt
Bei den Taten sollen nach der Anklage unter anderem Baseballschläger, ein Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägel eingesetzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft schildert zudem das Ziehen von Zähnen, Verbrennungen und sexualisierte Gewalt. Ziel der Handlungen sei es gewesen, die Geschädigte zu erniedrigen, zu dominieren und ihr erhebliche Schmerzen zuzufügen.
Für die 63-Jährige und ihren 50-jährigen Ehemann kommt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft auch die Anordnung der Sicherungsverwahrung in Betracht. Mit Ausnahme des 54-Jährigen befinden sich die Angeschuldigten seit Bekanntwerden der Vorwürfe im März 2026 in Untersuchungshaft. Sie haben sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert.
Der 50-jährige Angeschuldigte ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft und bereits zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die übrigen Angeschuldigten sind nicht vorbestraft. Ein Termin für die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Braunschweig steht noch nicht fest.



