
Berlin, 27. August 2026 (JPD). Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich im August wieder verbessert. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) stieg nach dem deutlichen Rückgang im Juli um gut fünf Punkte auf 96,4 Zähler. Damit nähert sich der Indikator wieder der Marke von 100 Punkten, die für ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft steht.
„Das in den vergangenen Monaten schwankende DIW-Konjunkturbarometer spiegelt das insgesamt instabile konjunkturelle Bild wider – so langsam scheint die deutsche Wirtschaft aber Fuß zu fassen“, erklärte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.
Nach Einschätzung des Instituts mehren sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung. Die deutschen Exporte hätten zuletzt einen neuen Höchstwert erreicht. Insbesondere die Nachfrage aus dem europäischen Ausland nach deutschen Waren sei robust. Auch verschiedene Stimmungsindikatoren deuteten auf einen vorsichtigen Optimismus der Unternehmen hin.
Hinzu kommt, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2026 unerwartet kräftig um 0,3 Prozent gewachsen ist.
Industrie zeigt stärkere Erholung
Insbesondere in der Industrie sieht das DIW Anzeichen dafür, dass das langanhaltende Tief überwunden sein könnte. Die Auftragseingänge seien zuletzt deutlich gestiegen. Dazu hätten vor allem Großaufträge aus dem Inland beigetragen, die nach Einschätzung des Instituts unter anderem durch höhere Verteidigungsausgaben gestützt wurden.
Auch die Produktion habe sich weiter stabilisiert. Gleichzeitig habe sich die Stimmung der Industrieunternehmen im August spürbar aufgehellt.
„Vor allem das Exportgeschäft und die kräftigen öffentlichen Investitionen stabilisieren aktuell die Wirtschaftsleistung in Deutschland und sorgen bei der Industrie für mehr Zuversicht“, erklärte DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt.
Für eine nachhaltige Erholung seien nach ihrer Einschätzung allerdings auch höhere private Investitionen, Produktivitätssteigerungen und eine dauerhafte Stärkung des Wirtschaftsstandorts erforderlich.
Geopolitische Risiken und höhere Kosten belasten
Das konjunkturelle Umfeld bleibt nach Einschätzung des DIW schwierig. Zu den größten Belastungsfaktoren zählen die geopolitischen Spannungen am Persischen Golf. Zwar seien die militärischen Angriffe zuletzt zurückgegangen, zugleich drohe jedoch eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran.
Da weiterhin nur wenige Schiffe die Straße von Hormus passierten, sei der Ölpreis wieder gestiegen. Dies erhöhe die Energiekosten und trage zu steigenden Verbraucherpreisen bei.
Zusätzliche Belastungen entstehen nach Angaben des Instituts durch die niedrigen Pegelstände auf wichtigen deutschen Wasserstraßen infolge des Hitzesommers. Dadurch würden Transportkapazitäten eingeschränkt und insbesondere Rohstofftransporte verteuert.
Privater Konsum bleibt schwach
Auch bei den Dienstleistungen habe sich die Stimmung zuletzt etwas verbessert. Dies gelte vor allem für unternehmensnahe Dienstleister. Konsumnahe Bereiche blieben hingegen durch die schwache Verbraucherlaune belastet.
Der private Konsum entwickle sich angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit, der wieder gestiegenen Inflation und der schwachen Arbeitsmarktaussichten weiterhin verhalten. Zuletzt sei auch die Zahl der Erwerbstätigen erneut gesunken.
„Die deutsche Wirtschaft präsentiert sich in diesem Jahr insgesamt stabiler als erwartet, steht aber noch auf einem unsicheren Fundament“, fasste Dany-Knedlik die Lage zusammen.
Das nächste DIW-Konjunkturbarometer soll am 30. September 2026 veröffentlicht werden.




