
Wiesbaden, 25. August 2026 (JPD). Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gewachsen. Damit fiel der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozentpunkte höher aus als noch in der Schnellmeldung Ende Juli angenommen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 erhöhte sich die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent.
„Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort“, erklärte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Wie bereits im ersten Quartal sei der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurückzuführen.
Grund für die Aufwärtskorrektur gegenüber der ersten Schätzung waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unter anderem besser als erwartet ausgefallene Umsätze im Groß- und Einzelhandel sowie nachträglich nach oben revidierte Daten zum Warenhandel im Juni.
Exporte steigen um zwei Prozent
Besonders kräftig entwickelte sich der Außenhandel. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen nahmen gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 2,0 Prozent zu. Die Warenausfuhren stiegen sogar um 2,6 Prozent, während die Dienstleistungsexporte stagnierten.
Die Importe erhöhten sich insgesamt um 1,5 Prozent. Dabei nahmen die Warenimporte um 2,1 Prozent zu, die Dienstleistungsimporte lediglich um 0,3 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal lagen die Exporte um 3,7 Prozent höher. Die Warenausfuhren stiegen um 5,0 Prozent. Besonders gefragt waren chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische und optische Erzeugnisse und Produkte des sonstigen Fahrzeugbaus. Vor allem die Ausfuhren in andere Staaten der Europäischen Union legten zu.
Unternehmen investieren weniger in Ausrüstung
Die Investitionsentwicklung blieb dagegen schwach. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen gegenüber dem ersten Quartal um 0,2 Prozent zurück. In Maschinen, Geräte und Fahrzeuge wurde 1,4 Prozent weniger investiert.
Die Bauinvestitionen nahmen lediglich um 0,1 Prozent zu. Damit blieb eine deutlichere Erholung nach dem unter anderem durch ungewöhnlich kalte Witterung belasteten Jahresbeginn aus.
Auch vom Konsum kamen kaum zusätzliche Wachstumsimpulse. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben erhöhten sich gegenüber dem ersten Quartal jeweils lediglich um 0,1 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigte sich insbesondere beim privaten Konsum weiterhin eine schwache Entwicklung. Dieser nahm preisbereinigt nur um 0,1 Prozent zu. Der Staatskonsum lag dagegen 3,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor.
Industrie wächst wieder
Die Bruttowertschöpfung erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal insgesamt um 0,4 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe steigerte seine Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent. Zuwächse gab es insbesondere bei der Herstellung chemischer Erzeugnisse und elektrischer Ausrüstungen.
Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 nahm die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes um 1,1 Prozent zu. Damit verzeichnete die Industrie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder einen Zuwachs im Vorjahresvergleich.
Schwach blieb dagegen das Baugewerbe. Seine Wertschöpfung sank gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,6 Prozent.
Deutlich besser entwickelten sich mehrere Dienstleistungsbereiche. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Wertschöpfung im Bereich Information und Kommunikation um 3,9 Prozent sowie bei öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit um 2,1 Prozent.
Zahl der Erwerbstätigen sinkt um 212.000
Trotz des Wirtschaftswachstums ging die Beschäftigung zurück. Im zweiten Quartal waren rund 45,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren 212.000 beziehungsweise 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Erstmals seit der Corona-Pandemie ging dabei auch die Zahl der Beschäftigten in den Dienstleistungsbereichen zurück. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe setzte sich der bereits zuvor beobachtete Beschäftigungsabbau fort.
Da die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit je Erwerbstätigem gegenüber dem Vorjahresquartal unverändert blieb, sank das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen ebenfalls um 0,5 Prozent.
Gleichzeitig nahm die Arbeitsproduktivität zu. Das preisbereinigte BIP je Erwerbstätigenstunde lag 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals.
Löhne steigen – Sparquote legt leicht zu
Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer erhöhten sich gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um 4,4 Prozent. Netto betrug der Zuwachs 4,7 Prozent.
Die Einkommen der privaten Haushalte nahmen in jeweiligen Preisen um 3,1 Prozent zu, während ihre Konsumausgaben um 2,9 Prozent stiegen. Die Sparquote erhöhte sich dadurch leicht von 9,5 auf 9,6 Prozent.
Deutschland wächst schwächer als EU-Durchschnitt
Im europäischen Vergleich blieb Deutschland trotz der verbesserten Entwicklung hinter dem Durchschnitt zurück. Das BIP der Europäischen Union nahm gegenüber dem ersten Quartal um 0,5 Prozent zu.
Unter den großen EU-Staaten verzeichnete Spanien mit einem Plus von 0,7 Prozent erneut das stärkste Wachstum. Frankreich und Italien kamen jeweils auf 0,2 Prozent. Deutschland lag mit 0,3 Prozent dazwischen.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,0 Prozent und damit ebenfalls etwas schwächer als die EU insgesamt mit 1,2 Prozent.





