
Wiesbaden, 13. August 2026 (JPD). Die Zahl der festgestellten Kindeswohlgefährdungen in Deutschland ist 2025 um zehn Prozent auf rund 79.800 Fälle gestiegen. Damit erreichte sie zum vierten Mal in Folge einen neuen Höchststand. Gegenüber 2024 kamen rund 7.000 Fälle hinzu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.
Seit Beginn der Statistik im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Kindeswohlgefährdungen damit mehr als verdoppelt. Damals waren rund 38.300 Fälle registriert worden. Das entspricht einem Anstieg um 108 Prozent.
Nach Angaben der Statistiker kann die Entwicklung neben einer tatsächlichen Zunahme der Gefährdungsfälle auch mit einer höheren Wachsamkeit und Anzeigebereitschaft, einer verbesserten Zusammenarbeit und Qualifizierung der Fachkräfte sowie gesetzlichen Änderungen zusammenhängen.
Mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen war höchstens acht Jahre alt. 26 Prozent waren maximal vier Jahre alt. Das Durchschnittsalter lag bei 8,5 Jahren. In 43 Prozent der Fälle nahmen die Betroffenen zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung bereits Leistungen der Jugendhilfe in Anspruch.
Am häufigsten stellten die Jugendämter Anzeichen von Vernachlässigung fest. Dies war bei 58 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen der Fall. Hinweise auf psychische Misshandlungen gab es in 38 Prozent, auf körperliche Misshandlungen in 29 Prozent und auf sexuelle Gewalt in fünf Prozent der Fälle. Mehrfachnennungen waren möglich. Ein Viertel der Betroffenen wies Anzeichen für mehrere Formen der Gefährdung auf.
In 74 Prozent der Fälle ging die Kindeswohlgefährdung ausschließlich oder hauptsächlich von einem Elternteil aus. Bei neun Prozent waren mehrere Personen beteiligt, ohne dass eine Hauptperson bestimmt werden konnte. In sieben Prozent der Fälle blieb unklar, von wem die Gefährdung ausging.
Zur Beendigung der Gefährdungssituation wurde in 91 Prozent der Fälle anschließend eine Hilfe oder Schutzmaßnahme vereinbart. In 18 Prozent der Fälle schalteten die Jugendämter das Familiengericht ein.
Auch die Zahl der Verdachtsmeldungen erreichte einen neuen Höchststand. Die Jugendämter prüften 2025 knapp 268.300 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung. Das waren zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.
Die meisten Hinweise kamen von Polizei und Justiz mit einem Anteil von 30 Prozent. Weitere 22 Prozent stammten aus der Bevölkerung, etwa von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonymen Hinweisgebern. Schulen und Kindertagesbetreuung waren für 16 Prozent der Hinweise verantwortlich. Nur neun Prozent der Meldungen kamen von den betroffenen Minderjährigen selbst oder ihren Eltern.





