
Karlsruhe, 22. Juli 2026 (JPD). Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen vier mutmaßliche Führungskräfte des sogenannten „Königreichs Deutschland“ erhoben. Den deutschen Staatsangehörigen Mathias B., Peter F., Benjamin M. und Martin S. wird vorgeworfen, sich als Rädelsführer mitgliedschaftlich an einer kriminellen Vereinigung beteiligt zu haben.
Die Anklage wurde am 16. Juli 2026 beim Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf eingereicht. Die vier Angeschuldigten befinden sich seit ihrer Festnahme am 13. Mai 2025 in Untersuchungshaft.
Pseudostaatliche Strukturen aufgebaut
Nach der Anklage gehörten die Männer dem 2012 gegründeten „Königreich Deutschland“ an. Die Vereinigung soll sich als souveräner Staat verstehen und darauf abzielen, das staatliche System der Bundesrepublik Deutschland durch eigene Strukturen zu ersetzen.
Die Gruppierung soll unter anderem ein eigenes Bank- und Versicherungssystem, ein Meldeamt mit fiktiven Ausweisdokumenten und eine eigene Währung geschaffen haben. Mitglieder und Unternehmen seien mit dem Versprechen angeworben worden, keine Steuern und Sozialabgaben mehr zahlen zu müssen.
Zwischen 2020 und 2025 soll die Vereinigung durch unerlaubte Bank- und Versicherungsgeschäfte sowie Spenden, Geschenke und kostenpflichtige Seminare rund zehn Millionen Euro eingenommen haben. Durch nicht abgeführte Steuern und Sozialversicherungsbeiträge soll ein weiterer Schaden von mehr als zwei Millionen Euro entstanden sein.
Weitere Wirtschafts- und Urkundendelikte
Peter F. und Mathias B. werden zusätzlich der Beteiligung an einem unerlaubten Einlagengeschäft beschuldigt. Peter F. soll außerdem ein unerlaubtes Versicherungsgeschäft betrieben, Steuern hinterzogen und Arbeitsentgelt vorenthalten beziehungsweise hierzu angestiftet haben. Mathias B. soll an den meisten dieser Taten als Gehilfe beteiligt gewesen sein.
Peter F., Mathias B. und teilweise Benjamin M. werden darüber hinaus mehrere Fälle bandenmäßiger Urkundenfälschung vorgeworfen. Sie sollen unter anderem fiktive Identitätskarten hergestellt haben, die dem deutschen Personalausweis ähnelten.
Peter F. soll als sogenannter „Oberster Souverän“ die wesentlichen Entscheidungen innerhalb der Vereinigung getroffen haben. Benjamin M. und Martin S. hätten als Stellvertreter zur obersten Leitungsebene gehört. Mathias B. soll ab 2016 Führungsaufgaben und später die Zuständigkeit für die Finanzen übernommen haben.




