
Bonn, 10. Juli 2026 (JPD). Die von Mai bis Ende Juni geltende Energiesteuersenkung auf Benzin und Diesel ist nach Einschätzung des Bundeskartellamtes überwiegend, aber nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden. Zugleich hat die sogenannte 12 Uhr-Regel die täglichen Preisschwankungen an den Tankstellen deutlich reduziert.
Die Energiesteuersätze waren vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 für Benzin und Diesel um jeweils 14,04 Cent je Liter beziehungsweise 16,7 Cent einschließlich Mehrwertsteuer gesenkt worden. Nach Berechnungen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe wurden davon bei Diesel durchschnittlich 13,8 Cent je Liter und damit 82,6 Prozent weitergegeben. Bei Super E5 waren es 13 Cent beziehungsweise 77,8 Prozent.
Damit verblieb bei Diesel eine Differenz von 2,9 Cent und bei E5 von 3,7 Cent je Liter. Die Berechnungen deuten nach Angaben des Bundeskartellamtes darauf hin, dass die unvollständige Weitergabe eher auf der Preisgestaltung der Tankstellen als auf der Großhandelsebene beruhte.
Während des Tankrabatts vergrößerten die Tankstellen ihre durchschnittliche Bruttomarge gegenüber dem ersten Quartal 2026 schätzungsweise um knapp 3,3 Cent je Liter Diesel und um knapp 1,9 Cent bei E5. Zugleich trugen im Juni auch gesunkene Rohölpreise zu niedrigeren Kraftstoffpreisen bei. Im Monatsdurchschnitt kostete E5 1,93 Euro je Liter, E10 1,87 Euro und Diesel 1,82 Euro.
Nach dem Auslaufen der Steuersenkung stiegen die Preise vom 30. Juni auf den 1. Juli um 9,6 Cent je Liter Benzin und 10,4 Cent bei Diesel. Ein Teil der Erhöhung war nach Einschätzung der Markttransparenzstelle wegen der 12 Uhr-Regel bereits vorgezogen worden. Gegenüber dem 28. Juni lagen die Preise am 1. Juli bei Benzin um 16,9 Cent und bei Diesel um 19,1 Cent höher.
Die seitdem geltende 12 Uhr-Regel hat den Preiszyklus an den Tankstellen grundlegend verändert. Kraftstoffpreise werden im Durchschnitt nur noch knapp achtmal täglich geändert. Zuvor waren nach Angaben des Bundeskartellamtes teilweise bis zu 50 Änderungen pro Tag registriert worden.
Im bundesweiten Durchschnitt steigen die Preise um 12 Uhr schlagartig um rund 7,3 Prozent. Anschließend sinken sie im Tagesverlauf wieder. Bis 18 Uhr sind nahezu 80 Prozent der mittäglichen Erhöhung abgebaut. Am günstigsten ist Kraftstoff dem Bericht zufolge regelmäßig kurz vor 12 Uhr. Besonders teuer ist das Tanken unmittelbar nach der mittäglichen Preiserhöhung.
Von den im zweiten Quartal gemeldeten Preisänderungen wichen rund 2,1 Prozent von der Regel ab, nach der Preiserhöhungen grundsätzlich um 12 Uhr erfolgen. Von diesen Abweichungen lagen 87,5 Prozent zwischen 11.50 Uhr und 12.10 Uhr. Nur 3,5 Prozent entfielen auf Zeiten außerhalb des Zeitraums von 11 bis 13 Uhr.
Mögliche Verstöße gegen die 12 Uhr-Regel werden von den Ländern verfolgt. Erste Landesbehörden haben nach Angaben des Bundeskartellamtes bereits Ermittlungen aufgenommen.





