
München, 8. Juli 2026 (JPD). Der Fritz-Neuland-Gedächtnispreis für besondere Courage im Kampf gegen Antisemitismus ist in diesem Jahr an den Präsidenten des Landgerichts Bayreuth, Matthias Burghardt, und an Kriminalhauptkommissar Harald Frießner verliehen worden. Die Auszeichnung wurde am 7. Juli im Münchner Justizpalast übergeben.
Der Preis wird von Michael Frederic Fischbaum in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration ausgelobt. Er richtet sich an engagierte Juristinnen und Juristen sowie Angehörige von Polizei und Justiz. Pro Kalenderjahr können zwei Preise vergeben werden, die jeweils mit 7.500 Euro dotiert sind.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich würdigte Burghardts Beitrag zur Aufarbeitung von NS-Justizunrecht. Der Präsident des Landgerichts Bayreuth habe mit dem Forschungsprojekt „Sondergericht und Volksgerichtshof in Bayreuth“ einen wichtigen Beitrag zur Schärfung des historischen Bewusstseins für das NS-Unrecht und die besondere Verantwortung der Justiz geleistet. Über fünf Jahre wurden in dem Projekt Urteile des Sondergerichts Bayreuth und der Anfang 1945 nach Bayreuth verlegten Senate des Volksgerichtshofs sowie der spätere Umgang mit diesem Justizunrecht aufgearbeitet.
Eisenreich betonte, die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit sei angesichts der aktuellen Antisemitismuswelle und des zunehmenden Drucks auf Demokratien besonders bedeutsam. Die Arbeit sei ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung von Antisemitismus. Er dankte Burghardt und Frießner für ihr weit über die Dienstpflicht hinausreichendes Engagement.
Harald Frießner ist Referent beim Beauftragten gegen Hasskriminalität der Bayerischen Polizei. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner hob hervor, der Schutz jüdischer Bürgerinnen und Bürger sowie der Kampf gegen Hass und Hetze hätten oberste Priorität. Frießner kümmere sich persönlich um Anliegen von Jüdinnen und Juden sowie israelischen Staatsangehörigen, die sich wegen antisemitischer Vorfälle an den Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität wenden.
Zudem ist Frießner nach Angaben des Innenministeriums einer der wesentlichen Initiatoren eines neuen ressortübergreifenden Leitfadens für Antisemitismus-Beauftragte an bayerischen Hochschulen. Auch am Fußballturnier „Gemeinsam-Füreinander-Cup“, an dem Mannschaften aus der muslimischen und der jüdischen Community teilnehmen, war er als Mitinitiator beteiligt.
Namensgeber der Auszeichnung ist der Rechtsanwalt Fritz Neuland, der zweite Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern nach dem Zweiten Weltkrieg. Neuland war der Vater der heutigen Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Sie erinnerte im Justizpalast an den unerschütterlichen Glauben ihres Vaters an den deutschen Rechtsstaat und würdigte den Preis als Anerkennung für besonderes Engagement von Juristinnen und Juristen gegen Judenhass.
Dem Preisgericht gehören unter anderem der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, und der Mitinitiator des Preises, Landtagsabgeordneter Josef Schmid, an. Spaenle verwies auf rund 540 antisemitische Straftaten in Bayern im vergangenen Jahr und sprach von einer dramatischen Entwicklung. Staat und Rechtsstaat müssten wirksam gegen Hass, Hetze und Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens handeln.
Matthias Burghardt trat 1988 in den bayerischen Justizdienst ein und ist seit Oktober 2019 Präsident des Landgerichts Bayreuth. Neben seiner richterlichen Tätigkeit engagierte er sich besonders in der Erinnerungskultur. Das von ihm initiierte Forschungsprojekt untersuchte am Beispiel Bayreuths die Rolle der Justiz in der NS-Zeit sowie die Schicksale der Angeklagten und Verurteilten.
Harald Frießner begann seine Laufbahn bei der Bayerischen Polizei 1981. Seit Anfang 2023 ist er im Team des Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität beim Bayerischen Landeskriminalamt tätig und befasst sich dort insbesondere mit Antisemitismus, Antiziganismus und präventiven Strategien gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.






