
München, 19. Juni 2026 (JPD) ifo-Präsident Clemens Fuest sieht Europa bei der Künstlichen Intelligenz in einer gefährlichen Abhängigkeit von den USA und fordert einen raschen Ausbau eigener Kapazitäten. Anlass sei die Entscheidung der US-Regierung, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu den neuesten KI-Modellen des Unternehmens Anthropic zu verwehren. Dies verdeutliche die Verwundbarkeit Europas in zentralen Bereichen wie Forschung, Industrie und Verteidigung.
Europa kontrolliere derzeit weniger als fünf Prozent der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazitäten für moderne KI-Systeme. Demgegenüber entfielen nach Angaben des ifo Instituts rund 75 Prozent auf die USA und etwa 15 Prozent auf China. Europa sei zwar ein bedeutender Anwender von KI-Technologien, verfüge jedoch kaum über die dafür notwendige Infrastruktur.
Fuest fordert deshalb ein umfassendes Maßnahmenpaket. Vorrang habe der beschleunigte Ausbau von Rechenzentren, Chipfabriken und Energieinfrastruktur. Dafür müssten Genehmigungsverfahren deutlich verkürzt werden. Zudem sei eine rasche Ausweitung der Energieversorgung erforderlich, die auch die Reaktivierung stillgelegter Kraftwerke einschließen könne. Schließlich brauche Europa eine kohärente Strategie zum Aufbau eigener KI-Kapazitäten sowie eine Überprüfung bestehender Regulierungen wie des EU AI Act.
Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sei in ihrer Bedeutung mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar, verlaufe jedoch wesentlich schneller, sagte Fuest. Ohne entschlossenes Handeln von EU und Mitgliedstaaten drohe Europa, zu den großen Verlierern dieser technologischen Umwälzung zu zählen.





