Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein melden weiter hohe Belastungslage im Jahr 2025

Schleswig, 23. April 2026 (JPD) Die Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein haben im Jahr 2025 insgesamt 300.825 neue Verfahren registriert und bewegen sich damit weiterhin auf einem hohen Belastungsniveau der vergangenen Jahre. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft führt auch die Umstellung auf die elektronische Aktenführung zu erheblichen Auswirkungen auf die statistische Erfassung. Schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Verfahren waren zu Jahresbeginn noch nicht vollständig erfasst.

Die Arbeitsbelastung der Strafverfolgungsbehörden ist nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft zusätzlich durch komplexere Verfahren und die gleichzeitige Umstellung der Arbeitsprozesse gestiegen. Parallel zur Einführung der digitalen Akte erfolgt eine umfassende organisatorische Neustrukturierung, die durch die landesweite Open-Source-Strategie begleitet wird. Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Anders sprach in diesem Zusammenhang von einer „an ihre Grenzen führenden Herkules-Aufgabe“ für die Justiz.

Cybercrime und Organisierte Kriminalität prägen Ermittlungsarbeit

Im Bereich der Informations- und Kommunikationskriminalität wurden 2025 insgesamt 13.160 Verfahren registriert und damit ein weiterhin hohes Niveau erreicht. Die Fälle reichen von Erpressungsdelikten bis zu Betrugsformen wie sogenannten Fakeshops und Cybertrading-Fraud. Dabei werden zunehmend auch Künstliche Intelligenzen eingesetzt, um Opfer zu höheren Geldanlagen, häufig in Kryptowährungen, zu bewegen.

Einen Schwerpunkt bildet die Arbeit der Schwerpunktabteilung Cybercrime bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Parallel dazu war die Koordinierungs- und Ermittlungseinheit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität insbesondere im Bereich illegaler Glücksspielstrukturen tätig. Im Zusammenhang mit dem Komplex „Kiel-Gaarden“ wurden Vermögenswerte von rund 6,1 Millionen Euro vorläufig gesichert, denen Sicherungsmaßnahmen von insgesamt etwa 18 Millionen Euro zugrunde lagen.

Auch in weiteren Bereichen der organisierten Kriminalität sowie der Geldwäsche hat die Einheit ihre Tätigkeit ausgeweitet. Die Verfahren befinden sich überwiegend noch im frühen Stadium gerichtlicher Klärung, sodass es sich bei den Vermögenssicherungen überwiegend um vorläufige Maßnahmen handelt.

Im Bereich antisemitischer Straftaten wurden 2025 insgesamt 179 Verfahren gegen 144 Beschuldigte eingeleitet. Die Zahlen bewegen sich laut Generalstaatsanwaltschaft weiterhin auf einem hohen Niveau, wobei von einem erheblichen Dunkelfeld ausgegangen wird. Besonders häufig betreffen die Verfahren Äußerungsdelikte im Internet sowie im Kontext von Versammlungen.

Die Staatsanwaltschaften konnten nach eigenen Angaben auch 2025 einen Großteil der Verfahren zügig abschließen. Von mehr als 240.000 erledigten Verfahren wurden rund 70 Prozent der anklagefähigen Fälle innerhalb von drei Monaten abgeschlossen. Fälle von Untersuchungshaft seien ohne verzögerungsbedingte Entlassungen bearbeitet worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

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