
München, 11. Juni 2026 (JPD) Unerwartete Materialengpässe führen nach einer Studie des ifo Instituts zu spürbaren Einbußen in der Industrieproduktion und zu langfristigen Preissteigerungen. Den Berechnungen zufolge sinkt die Industrieproduktion infolge eines kurzfristigen Materialmangels zunächst um 2,4 Prozent. Besonders betroffen ist die Automobilindustrie, während die stärksten Preiseffekte in der Holz- und Pharmaindustrie auftreten.
Nach Angaben der Studienautorinnen wirken sich Störungen in Lieferketten unmittelbar auf die Produktion aus. Zwar erholt sich die Fertigung mit zunehmender Materialverfügbarkeit, die Rückkehr zum ursprünglichen Produktionsniveau erfolgt jedoch nur schrittweise. Selbst zwei Jahre nach einem negativen Materialengpass liegt die Industrieproduktion noch um 0,5 Prozent unter dem Niveau, das ohne die Störung erreicht worden wäre.
Verbraucherpreise reagieren am längsten auf Lieferengpässe
Die stärksten Auswirkungen auf Erzeuger- und Rohstoffpreise zeigen sich etwa ein Jahr nach dem Schock. Während die Erzeugerpreise um rund 0,3 Prozent und die Rohstoffpreise um etwa 0,6 Prozent steigen, bleiben die Folgen bei den Verbraucherpreisen am längsten sichtbar.
Nach den Ergebnissen der Untersuchung erhöhen sich die Verbraucherpreise selbst zwei Jahre nach einem Materialengpass weiterhin um etwa 0,1 Prozentpunkte pro Quartal. Das ifo Institut sieht darin einen Hinweis auf die anhaltenden wirtschaftlichen Folgen gestörter Lieferketten.
Für die Studie wurden die monatlichen Unternehmensbefragungen des ifo Instituts im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Zeitraum von 2002 bis Mitte 2025 ausgewertet. Grundlage sind Antworten von monatlich 2.000 bis 5.000 Betrieben. Analysiert wurden ausschließlich unerwartete und kurzfristige Materialengpässe sowie deren Auswirkungen auf Industrieproduktion, Erzeuger-, Rohstoff- und Verbraucherpreise.





