Karlsruhe, 30. Juni 2026 (JPD). Für die insolventen Betreibergesellschaften Pro-Liberis und Lenitas steht ein Fortführungskonzept. In Abstimmung mit der Geschäftsführung der Zukunftsschmiede haben die Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle nach eigenen Angaben die Rahmenbedingungen für eine Übernahme und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit geschaffen.
Durch das Konzept sollen rund 550 der bislang knapp 620 Arbeitsplätze sowie der weit überwiegende Teil der Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten und Einrichtungen der Jugendhilfe gesichert werden. Die Betreuung läuft nach Angaben der Verantwortlichen in allen Einrichtungen weiterhin in vollem Umfang.
Die Alternative zu dem nun vereinbarten Konzept wäre nach Darstellung der Insolvenzverwalter die Einstellung des Geschäftsbetriebs und damit der Wegfall sämtlicher Arbeits- und Betreuungsplätze gewesen. Mitarbeitende sowie Eltern der betreuten Kinder seien bereits über das Fortführungskonzept informiert worden.
Um das Konzept umsetzen zu können, sind allerdings Personalanpassungen vorgesehen. Rund 65 Mitarbeitenden muss gekündigt werden. Die Anpassung soll nach Angaben von Tamara Schwarz, Geschäftsführerin der Zukunftsschmiede, in Abstimmung mit dem Betriebsrat so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Schwarz wird gemeinsam mit Florian Löffel als kaufmännisches und operatives Führungsteam die Geschäftsführung von Pro-Liberis und Lenitas übernehmen.
Ein Schwerpunkt der Neuaufstellung liegt auf der Verwaltung. Die wirtschaftliche Schieflage von PLL habe auch mit komplexen Verwaltungsstrukturen und Doppelbesetzungen zusammengehangen. Künftig soll eine schlankere, zentrale Verwaltung mit klaren Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Zugleich sollen die Kita-Leitungen mehr Eigenverantwortung erhalten.
Für einzelne Standorte werden noch individuelle Lösungen angestrebt. In Ettlingen hat die Stadt signalisiert, die beiden Kitas künftig selbst übernehmen und unter eigener Trägerschaft weiterführen zu wollen. In Pforzheim sollen die beiden Kitas geordnet auf einen anderen Träger übertragen werden. Für Marxzell-Burbach und Bad Schönborn sollen in enger Abstimmung mit den Gemeinden Entscheidungen getroffen werden. Bis dahin läuft der Betrieb auch dort weiter.
Rechtlich soll die Übernahme durch die Zukunftsschmiede über zwei Insolvenzpläne umgesetzt werden. Über diese sollen die Gläubiger weiterhin im Sommer abstimmen. Bei Zustimmung der Gläubiger und Bestätigung durch das Gericht könnte die Sanierung der Pro-Liberis gGmbH und der Lenitas gGmbH im Herbst 2026 formal abgeschlossen werden.
Das Amtsgericht Karlsruhe hatte die Insolvenzverfahren der beiden Betreibergesellschaften zum 1. April 2026 eröffnet. Die Neuaufstellung war nach Angaben der Verantwortlichen unter anderem wegen der Wachstumsstrategie, der Übernahme mehrerer Kindergärten von öffentlichen Trägern sowie gestiegener Kosten für Energie und Materialien notwendig geworden.
Pro-Liberis mit Sitz in Karlsruhe ist seit 2006 in der Kindertagesbetreuung aktiv und betreibt zwanzig Kindertagesstätten mit 907 genehmigten Betreuungsplätzen. Lenitas betreibt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung mit insgesamt 452 Kita-Plätzen und hält zudem Angebote der Kinder- und Jugendhilfe vor.






