
Halle, 6. August 2026 (JPD). Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im Juli auf einem außergewöhnlich hohen Niveau geblieben. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle wurden 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert.
Das waren ein Prozent weniger als im Juni, aber sieben Prozent mehr als im Juli 2025. Gegenüber einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 lag die Zahl der Insolvenzen um 75 Prozent höher.
Besonders viele Insolvenzen verzeichnete das Institut im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. In beiden Branchen wurde der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden IWH-Auswertung im Januar 2020 erreicht. Im Gastgewerbe fiel die Zahl der Insolvenzen dagegen ungewöhnlich niedrig aus.
Auch die Zahl der von größeren Firmenpleiten betroffenen Arbeitsplätze blieb hoch. In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Juli mehr als 13.000 Stellen betroffen.
Damit lag die Zahl der betroffenen Beschäftigten sechs Prozent unter dem Juni-Wert, aber 26 Prozent über dem Vorjahresmonat. Verglichen mit dem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 betrug das Plus 47 Prozent.
In der Industrie waren knapp 6.000 Arbeitsplätze von größeren Insolvenzen betroffen. Das waren etwas mehr als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Die Höchststände um den Jahreswechsel 2024/2025 wurden jedoch deutlich unterschritten.
Die vom IWH erhobenen Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen üblicherweise zwei bis drei Monate vorauslaufen, erreichten im Juli einen neuen Höchststand. Sie lagen damit leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Juli 2025. Nach Einschätzung des Instituts dürfte allerdings auch die hohe Zahl von 23 Werktagen im Juli zu diesem Wert beigetragen haben.
„Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, erklärte der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller. Die Marktbereinigung halte unvermindert an. Auch in den kommenden Monaten sei deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.
Für den monatlichen Insolvenztrend wertet das IWH die Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft diese mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen. Die Auswertung liegt deutlich früher vor als die amtliche Insolvenzstatistik.





