DIW-Konjunkturbarometer hellt sich leicht auf

Berlin, 30. Juni 2026 (JPD). Die konjunkturellen Aussichten für Deutschland haben sich im Juni leicht verbessert. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung stieg von 94,8 Punkten im Mai auf 96,1 Punkte. Damit rückt der Wert wieder näher an die neutrale Marke von 100 Punkten heran, die im Durchschnitt ein normales Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt.

Nach Einschätzung des Instituts hat die vorübergehende Beruhigung des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran die Aussichten etwas aufgehellt. Die geopolitische Unsicherheit bleibe jedoch hoch. Zudem dürfte es nach Angaben des DIW noch dauern, bis sich die Weltwirtschaft vom Energieschock und von Störungen einzelner Lieferketten, etwa bei Düngemitteln, erholt. Auch die weiterhin erhöhte Inflation bremse die wirtschaftliche Entwicklung.

DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik sprach von einer Beruhigung, aber noch nicht von einem Anziehen der Konjunktur. Mehr Schwung erwartet das Institut erst zum Jahresende, sofern geopolitische Risiken nicht erneut eskalieren und die fiskalischen Impulse tatsächlich in Investitionen münden.

Gestützt werde die Konjunktur weiterhin durch die Stimulierungspakete der Bundesregierung. Diese hätten bereits im ersten Quartal des Jahres zu einem soliden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beigetragen. Gleichwohl bleibe der vorsichtige Aufschwung, der sich im Winter angedeutet hatte, merklich ausgebremst.

Als zentrales Sorgenkind nennt das DIW weiterhin die Industrie. Die Industrieproduktion bewege sich auf niedrigem Niveau, die Auftragslage bleibe fragil. Zwar nehme der Auftragsbestand noch leicht zu, der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe sei zuletzt aber deutlich gesunken. Belastend wirkten insbesondere rückläufige Auslandsorders.

Auch strukturelle Faktoren erschweren nach Einschätzung des Instituts eine stärkere Erholung. Die Weltwirtschaft wachse nur moderat, zugleich entkoppelten sich deutsche Exporte teilweise vom globalen Handel. Als Gründe nennt das DIW protektionistische Maßnahmen sowie eine stärkere Konkurrenz insbesondere aus China. Staatliche Nachfrageimpulse, vor allem aus dem Verteidigungsbereich, könnten in den kommenden Monaten zwar zu einer allmählichen Aufwärtsdynamik beitragen. Ein deutlicher und breit abgestützter Aufschwung sei derzeit aber nicht in Sicht.

Verhalten bleibt auch die Lage im Dienstleistungsbereich. Die Einzelhandelsumsätze seien seit Jahresbeginn schwach. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern dominiere weiterhin Pessimismus. Belastend wirkten unter anderem der vorübergehende Anstieg der Spritpreise, die wenig dynamische gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die gedämpfte Lage am Arbeitsmarkt.

Immerhin deutet sich beim Konsumklima nach Rückgängen in den Frühjahrsmonaten eine leichte Erholung an. Die Frühindikatoren liefern jedoch ein gemischtes Bild: Während sich das GfK-Konsumklima zuletzt leicht erholte, sank der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen weiter. Aus dem Dienstleistungsbereich dürfte daher erst allmählich mehr Schub für die deutsche Wirtschaft kommen.

DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi sieht die wirtschaftliche Lage in Deutschland trotz der Beruhigung im Nahen Osten weiter als herausfordernd an. Wenn geopolitische Konflikte und Protektionismus wichtiger Handelspartner die deutsche Wirtschaft ausbremsten, hänge ein breiter und anhaltender Aufschwung umso stärker von eigenen Investitionen und Reformen ab.

Das nächste DIW-Konjunkturbarometer soll am 29. Juli 2026 erscheinen.

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