
München, 16. April 2026 (JPD) Die International Bar Association (IBA) hat ihre zweitägige Konferenz in München mit einer Auftaktveranstaltung im Justizpalast eröffnet. Die Organisation vereint rund 80.000 Rechtsanwälte, Kammern und Kanzleien aus 175 Ländern. Im Mittelpunkt der Tagung stehen rechtliche Fragen im Zusammenhang mit belasteten Lieferketten sowie zunehmenden Handelshemmnissen und Zöllen.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich verwies zum Auftakt auf die wachsenden Anforderungen internationaler Wirtschaftsstreitigkeiten. Globale Lieferketten seien durch Krisen wie bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und handelspolitische Eingriffe erheblich unter Druck geraten. Die Justiz müsse darauf mit spezialisierten Strukturen reagieren, um komplexe Verfahren effizient bearbeiten zu können.
Commercial Court stärkt Spezialisierung im Wirtschaftsrecht
Mit dem am Oberlandesgericht München eingerichteten Commercial Court setzt Bayern das Justizstandort-Stärkungsgesetz um, das im Oktober 2024 beschlossen wurde und seit April 2025 gilt. Es ermöglicht den Ländern, spezialisierte Senate für wirtschaftsrechtliche Verfahren als Eingangsinstanz einzurichten. In München wurden zwei Zivilsenate gebildet, die auch für die Bezirke der Oberlandesgerichte Nürnberg und Bamberg zuständig sind.
Die Zuständigkeit greift bei einem Streitwert ab 500.000 Euro, sofern die Parteien dies vereinbaren. Verfahren können auf Deutsch oder Englisch geführt werden. Inhaltlich konzentriert sich das Gericht zunächst auf Streitigkeiten innerhalb von Lieferketten sowie auf Konflikte zwischen Gesellschaften und Mitgliedern ihrer Leitungs- oder Aufsichtsorgane.
Vertreter der Justiz und Anwaltschaft betonten auf der Konferenz die Bedeutung spezialisierter Gerichte für den internationalen Rechtsverkehr. Der Commercial Court könne die Qualität der Verfahren verbessern und das Vertrauen ausländischer Unternehmen in den Gerichtsstandort Deutschland stärken. Zudem wurde die Möglichkeit hervorgehoben, wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten in englischer Sprache vor erfahrenen Richtern zu verhandeln.
Im Rahmen der Veranstaltung informierten Richterinnen und Richter des Commercial Court über ihre Tätigkeit. Eine anschließende Diskussion befasste sich mit Vor- und Nachteilen staatlicher Gerichtsverfahren im Vergleich zur Schiedsgerichtsbarkeit.






