
München, 22.09.2026 (JPD) – Kinder aus einkommensschwachen Familien besuchen in vielen europäischen Ländern deutlich seltener eine Kindertagesstätte als Kinder aus wohlhabenderen Haushalten. Das geht aus einer Analyse des ifo Instituts auf Grundlage von OECD-Daten hervor.
Besonders groß sind die Unterschiede bei Kindern unter drei Jahren. In Frankreich liegt die Betreuungsquote beim einkommensstärksten Drittel der Familien um 43 Prozentpunkte über der Quote des einkommensschwächsten Drittels. In der Schweiz beträgt der Unterschied 37 Prozentpunkte, in Irland 25 und in den Niederlanden 24 Prozentpunkte.
Deutschland weist mit rund acht Prozentpunkten einen deutlich geringeren Unterschied auf. Am kleinsten sind die sozialen Unterschiede nach Angaben des ifo Instituts in den nordischen sowie in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern.
Bei Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren fallen die Unterschiede zwar geringer aus, bestehen in den meisten untersuchten Ländern aber weiterhin.
Als wesentliche Gründe nennen die Autoren fehlende Betreuungsplätze, hohe Kosten, komplizierte Anmeldeverfahren und mangelnde Informationen. Viele einkommensschwache Familien wünschten sich ausdrücklich eine Betreuung für ihre Kinder, scheiterten jedoch an den vorhandenen Zugangshürden.
Bis zu ein Viertel der einkommensschwachen Haushalte gibt der Analyse zufolge an, den eigenen Betreuungsbedarf aus finanziellen Gründen nicht decken zu können. In Ländern wie den Niederlanden oder Irland können die Kosten für einen Kitaplatz bei Paaren mehr als ein Fünftel eines durchschnittlichen Doppelverdiener-Einkommens ausmachen.
Die Autoren schlagen unter anderem vor, zusätzliche Betreuungsplätze insbesondere in bislang unterversorgten Regionen zu schaffen und die Arbeitsbedingungen sowie die Bezahlung des Kita-Personals zu verbessern. Zudem plädieren sie für zentralisierte und vereinheitlichte Anmeldeverfahren sowie langfristig für gebührenfreie Kinderbetreuung.
Weiter empfehlen sie eine stärkere persönliche Unterstützung und Information von Familien, etwa über Sozialdienste oder Kinderärztinnen und Kinderärzte, sowie den Ausbau digitaler und mehrsprachiger Angebote. Die Ausbauplanung solle zudem stärker an die demografische Entwicklung angepasst werden.
Die Analyse stützt sich auf OECD-Daten zur Kinderbetreuung bis 2023 und untersucht Entwicklungen seit 2010. Verglichen werden die Betreuungsquoten von Kindern aus dem jeweils obersten und untersten Einkommensdrittel.






