ifo-Präsident Fuest verteidigt höhere Ausgaben für die Bundeswehr

München, 18. September 2026. Höhere Verteidigungsausgaben sind nach Einschätzung von ifo-Präsident Clemens Fuest ökonomisch vor allem als Investition in die Sicherung des Friedens zu betrachten. Dies gelte aus seiner Sicht auch dann, wenn dafür Einschnitte bei anderen staatlichen Ausgaben notwendig werden.

Fuest begründet seine Position mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die nach seiner Einschätzung abnehmende Bereitschaft der USA, Europas Sicherheit im bisherigen Umfang zu gewährleisten, sprächen dafür, dass Deutschland mehr für die eigene Verteidigung aufwenden müsse. Die wirtschaftlichen Folgen eines Krieges wären nach Fuests Einschätzung erheblich größer als die Belastungen durch höhere Verteidigungsausgaben.

Das ifo Institut verweist in diesem Zusammenhang auf die politische Debatte um das Verhältnis von Verteidigungs- und Sozialausgaben. Fuest zieht dabei eine Parallele zu den Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren. Die damaligen Maßnahmen bewertet er ebenfalls als Beitrag zur Abschreckung und damit zur Sicherung des Friedens.

Zugleich warnt der ifo-Präsident davor, höhere Rüstungsausgaben grundsätzlich als Konjunkturprogramm für die deutsche Industrie zu betrachten. Kurzfristig könnten zusätzliche Rüstungsaufträge bei ungenutzten Produktionskapazitäten zwar die Nachfrage stützen. Einen vergleichbaren kurzfristigen Nachfrageeffekt könnten nach seiner Einschätzung jedoch auch zusätzliche Sozialausgaben haben.

Mittel- und langfristig könnten höhere Verteidigungsausgaben vielmehr dazu führen, dass Fachkräfte in der Rüstungsindustrie gebunden werden und anderen Wirtschaftsbereichen nicht zur Verfügung stehen. Fuest verweist insbesondere auf Ingenieurinnen und Ingenieure sowie andere hochqualifizierte Beschäftigte.

Positive gesamtwirtschaftliche Effekte erwartet Fuest vor allem von Verteidigungsausgaben für Forschung und Entwicklung. Technologien mit militärischer und ziviler Nutzung könnten über Wissenstransfer auch anderen Branchen zugutekommen. Bislang entfalle allerdings nur ein vergleichsweise kleiner Teil des deutschen Verteidigungsetats auf Forschung.

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