
München, 8. September 2026 (JPD) Der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen der erneut gesunkenen PISA-Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler. Grundlegende Kompetenzen seien von zentraler Bedeutung für Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum. Der Rückgang der Mathematik- und Leseleistungen seit der PISA-Studie 2022 entspreche langfristig einem durchschnittlichen Verlust beim Erwerbseinkommen von drei bis vier Prozent. Gegenüber dem Vor-Corona-Niveau von 2018 liege der errechnete Verlust sogar bei neun bis zehn Prozent.
Auch für die Gesamtwirtschaft sieht Wößmann erhebliche Folgen. Der deutschen Volkswirtschaft könnten durch geringere Bildungsleistungen langfristig Billionenbeträge entgehen. Menschen mit schwächeren Basiskompetenzen seien im Durchschnitt weniger produktiv und häufiger in Berufen mit geringerer Wertschöpfung tätig. Zudem gehe ein niedrigeres Bildungsniveau mit einer geringeren Innovationsfähigkeit einher.
PISA-Leistungen erreichen historische Tiefststände
Die am Dienstag veröffentlichte PISA-Studie zeigt nach Angaben des ifo Instituts, dass die Leistungen deutscher 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nach dem Einbruch zwischen 2018 und 2022 bis 2025 nochmals deutlich gesunken sind. Die Ergebnisse erreichten damit historische Tiefststände.
Dass auch zahlreiche andere westliche Länder Rückgänge verzeichneten, sei nach Einschätzung Wößmanns kein Grund zur Entwarnung. In vielen ostasiatischen Ländern lägen die Leistungen um mehrere Schuljahre über denen in Deutschland. Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit in gut bezahlten Hightech-Berufen benötige Deutschland ein Bildungssystem, das auch Spitzenleistungen hervorbringe.
Mit Blick auf Künstliche Intelligenz sieht Wößmann Basiskompetenzen künftig als noch wichtiger an. Da KI Faktenfragen leicht beantworten könne, komme es zunehmend darauf an, die richtigen Fragen zu stellen, Antworten kritisch zu hinterfragen und eigenständig Problemlösungen zu entwickeln.
ifo fordert höhere Standards und einheitliche Tests
Wößmann fordert als Konsequenz einen stärkeren Fokus auf Basiskompetenzen. Schulen sollten die während der Corona-Pandemie abgesenkten Standards wieder auf das frühere Anspruchsniveau anheben und einer Noteninflation entgegenwirken. Eltern sollten ihre Kinder stärker zum Lernen motivieren.
In der Bildungspolitik könnten nach seinen Vorstellungen jährliche deutschlandweit einheitliche Tests für mehr Transparenz sorgen. Gleichzeitig sollten Schulen mehr Autonomie bei der Erreichung vorgegebener Bildungsziele erhalten. Für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen empfiehlt Wößmann gezielte Nachhilfe- und Mentoringprogramme.
Zudem solle die Förderung früher einsetzen. Nach dem Vorbild Hamburgs sollten alle Kinder im Alter von viereinhalb Jahren einen Sprachtest absolvieren. Wer ein festgelegtes Mindestniveau nicht erreicht, solle automatisch zusätzliche Förderung erhalten.





