
München, 18. August 2026 (JPD). Ein höherer und zugleich verlässlicher CO₂-Preis könnte die Investitionen deutscher Industrieunternehmen in klimafreundliche Technologien deutlich erhöhen. Nach einer Sonderbefragung des ifo Instituts und von EconPol Europe entscheiden sich Unternehmen im Durchschnitt erst dann für entsprechende Projekte, wenn der CO₂-Preis dauerhaft über 90 Euro je Tonne liegt.
Bei einem niedrigen CO₂-Preis von rund 50 Euro je Tonne lehnten die befragten Unternehmen ein hypothetisches Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab. Bei einem erwarteten Preis von 175 Euro fiel die Entscheidung dagegen klar zugunsten der klimafreundlichen Investition aus.
„Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, erklärte ifo-Forscher Mathias Dolls. Die Untersuchung zeige zugleich, dass nicht allein die Höhe des Preises entscheidend sei.
Preisschwankungen erhöhen Investitionshürde
Eine zentrale Rolle spielt nach den Ergebnissen die erwartete Schwankungsbreite des CO₂-Preises. Je stärker Unternehmen mit Preisausschlägen rechnen, desto geringer ist ihre Bereitschaft, in klimafreundliche Anlagen zu investieren.
Nimmt die Schwankungsbreite um einen Prozentpunkt zu, müsste der CO₂-Preis nach Berechnungen der Forscher um rund 1,40 Euro steigen, damit die Wahrscheinlichkeit einer Investition unverändert bleibt.
Selbst ein hoher durchschnittlicher CO₂-Preis reicht demnach nicht zwingend aus, wenn Unternehmen mit erheblichen Schwankungen rechnen. In solchen Fällen neigten die Firmen dazu, Investitionen aufzuschieben.
Auch das Vertrauen in die Klimapolitik beeinflusst die Entscheidungen. Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz als verlässlich einschätzen, zeigen der Untersuchung zufolge eine deutlich höhere Bereitschaft zu klimafreundlichen Investitionen als Unternehmen mit geringem Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen.
Aktuelle CO₂-Preise nahe an Investitionsschwelle
Die Preise im europäischen Emissionshandel bewegen sich nach Angaben des ifo Instituts derzeit ungefähr zwischen 70 und 90 Euro je Tonne CO₂. Damit liegen sie nahe an der Schwelle, ab der ein durchschnittliches deutsches Industrieunternehmen nach den Ergebnissen der Befragung mit klimafreundlichen Investitionen beginnt.
Ein erheblicher Teil der Unternehmen dürfte nach Einschätzung der Forscher allerdings weiterhin zurückhaltend bleiben. Entscheidend sei deshalb neben einem hinreichend hohen Preis vor allem dessen Berechenbarkeit.
Grundlage der Untersuchung ist eine Sonderbefragung innerhalb der ifo Konjunkturumfrage vom Februar 2026. Befragt wurden 830 Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten. Die Firmen erhielten jeweils fünf hypothetische Szenarien für ein Investitionsprojekt, das sowohl den CO₂-Ausstoß als auch den Energieverbrauch senken sollte.
Die Szenarien unterschieden sich hinsichtlich des angenommenen CO₂-Preises zwischen 50 und 200 Euro je Tonne sowie der möglichen Preisschwankungen von null bis zu plus oder minus 100 Prozent.





