IW-Studie: Höhere Verteidigungsausgaben bringen nur begrenzten Wachstumsschub

Köln, 14. August 2026 (JPD). Die geplante deutliche Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben dürfte der Wirtschaft nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nur einen begrenzten Wachstumsschub bringen. Zugleich steigt die Staatsverschuldung bis 2030 gegenüber einem Szenario ohne die zusätzlichen Ausgaben um rund 64 Milliarden Euro.

Zwischen 2026 und 2030 plant der Bund nach Angaben des IW insgesamt rund 95 Milliarden Euro zusätzliche Verteidigungsausgaben, wenn die Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahr zusammengerechnet werden. Bis 2030 sollen die Verteidigungsausgaben auf fast 200 Milliarden Euro steigen.

Nach einer Simulation des Instituts erhöht sich das Bruttoinlandsprodukt durch die zusätzlichen Ausgaben 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent gegenüber einem Basisszenario. Danach schwächt sich der Effekt ab. Kumuliert beläuft sich der zusätzliche BIP-Effekt bis 2030 auf gut 96 Milliarden Euro.

Damit erzeugt jeder zusätzlich für Verteidigung ausgegebene Euro nach den Berechnungen lediglich etwas mehr als einen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung. Größere Folgeeffekte, wie sie etwa von Infrastrukturinvestitionen ausgehen können, erwartet das Institut nicht.

Kurzfristig profitieren auch die Investitionen. Im Jahr 2027 sollen sie den Berechnungen zufolge gut drei Prozent höher liegen als ohne die zusätzlichen Verteidigungsausgaben. Anschließend lässt auch dieser Effekt nach.

Zusätzliche Wachstumsimpulse könnten nach Einschätzung der Forscher von militärischen Innovationen ausgehen, wenn diese später auch zivil genutzt werden. Bislang seien die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im deutschen Verteidigungshaushalt jedoch vergleichsweise gering. 2025 seien lediglich rund zwei Prozent der Verteidigungsausgaben in diesen Bereich geflossen. In den USA liege der Anteil bei 16 Prozent.

Staatsverschuldung steigt bis 2030 um 64 Milliarden Euro

Die zusätzlichen Verteidigungsausgaben werden über eine Ausnahme von der Schuldenbremse finanziert. Bereits 2026 liegt die nominale Staatsverschuldung laut IW um 0,5 Prozent über dem Basisszenario. Bis zum Ende des Jahrzehnts summiert sich der zusätzliche Schuldenstand auf rund 64 Milliarden Euro.

Das Institut sieht darin insbesondere bei schwächerem Wirtschaftswachstum Risiken. Bleibe der erwartete Wachstumsimpuls aus, könnten die Schulden deutlich steigen, ohne dass die Wirtschaftsleistung entsprechend zunimmt. Dies könne langfristig auch die Bonität Deutschlands und die Zinsbelastung des Staates beeinträchtigen.

IW-Ökonom Klaus-Heiner Röhl warnt zugleich vor überzogenen Erwartungen an die Rüstungsindustrie. Diese wachse zwar stark, sei aber zu klein, um einen breit angelegten Wirtschaftsaufschwung auszulösen. Regionale Wachstumsimpulse seien dagegen möglich.

Mittelfristig sollte der Bund die Verteidigungsausgaben nach Ansicht des IW wieder aus dem regulären Haushalt finanzieren. Zunächst müsse die Bundeswehr bestehende Ausrüstungslücken schließen. Dauerhafte laufende Ausgaben sollten anschließend jedoch nicht über zusätzliche Schulden getragen werden.

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