DIW: Ölmarkt bleibt wegen Hormus-Blockade anfällig für starke Preisschwankungen

Berlin, 13. August 2026 (JPD). Die Blockade der Straße von Hormus hat nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) einen Angebotsschock ausgelöst und die zuvor schwache Nachfrage am weltweiten Ölmarkt überlagert. Der Ölpreis stieg infolge der Sperrung zeitweise auf mehr als 110 US-Dollar je Barrel. Bei einer dauerhaften Öffnung der Meerenge könnte dagegen wieder der Druck durch steigende Fördermengen und eine schwache Weltkonjunktur überwiegen.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse wurden 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensate und Mineralölprodukte durch die Straße von Hormus transportiert. Das entsprach etwa einem Fünftel des weltweiten Bedarfs. Besonders stark abhängig sind asiatische Abnehmer, auf die rund 84 Prozent der durch die Meerenge transportierten Rohöl- und Kondensatmengen entfielen.

Alternative Transportwege könnten einen Ausfall der Route nur teilweise auffangen. Saudi-Arabien verfügt nach Angaben des DIW über Pipelinekapazitäten von etwa sieben Millionen Barrel pro Tag zum Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate können maximal 1,8 Millionen Barrel täglich zum Golf von Oman transportieren.

Auch bei einer weiteren Öffnung der Straße von Hormus sei keine sofortige Normalisierung zu erwarten. Zunächst müssten unter anderem Minen geräumt, Tankerstaus abgebaut und Sicherheitsgarantien geschaffen werden. Hinzu kämen gestiegene und stark schwankende Versicherungsprämien für Transporte durch die Krisenregion.

Vor dem Angebotsschock war der Ölmarkt laut DIW durch eine schwache globale Nachfrage und ein steigendes Angebot geprägt. Vor allem Produzenten außerhalb der OPEC+ wie die USA, Kanada, Brasilien und Guyana hätten ihre Marktanteile ausgebaut. Der Anteil der OPEC-Kernländer und weiterer OPEC+-Staaten an den weltweiten Rohölexporten sei zwischen 2019 und 2025 von 71 auf 63 Prozent gesunken.

Zugleich sieht das DIW wachsende Interessengegensätze zwischen den Förderländern. Die Vereinigten Arabischen Emirate seien im Mai 2026 aus der OPEC ausgetreten und planten eine Ausweitung ihrer Förderung. Auch andere Staaten strebten höhere Produktionsmengen an. Dadurch nehme der Wettbewerb um Marktanteile zu.

Sollte die Straße von Hormus wieder dauerhaft passierbar werden, dürfte nach Einschätzung der Autoren Hella Engerer und Claudia Kemfert die Kombination aus wachsendem Angebot und gedämpfter Nachfrage erneut stärker auf den Ölpreis wirken. Eine nachhaltige Entspannung sei wegen der geopolitischen Risiken allerdings nicht gesichert.

Für Europa folgert das DIW daraus, dass eine stärkere Verringerung des Ölverbrauchs langfristig die verlässlichste Absicherung gegen globale Preisschocks sei. Auch Deutschland sei trotz vergleichsweise geringer direkter Ölimporte aus der Golfregion über den Weltmarktpreis von Störungen betroffen. Strategische Ölreserven blieben für kurzfristige Ausfälle notwendig, könnten größere Lieferunterbrechungen aber nicht dauerhaft kompensieren.

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