Insolvenzverfahren für Träger des Haus Aichele eröffnet

Beuren, 4. August 2026 (JPD). Das Amtsgericht Esslingen hat das Insolvenzverfahren über die Heim für Kinder und Jugendliche Haus Aichele gGmbH zum 1. August 2026 eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Dr. Dietmar Haffa von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt. Die therapeutischen und pädagogischen Angebote der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung werden nach Angaben des Insolvenzverwalters vollständig fortgeführt.

Haffa war bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig. Ziel des Verfahrens ist eine Fortführungslösung und die Übertragung des Haus Aichele auf einen neuen Träger. Die Umsetzung soll möglichst bis zum Herbst erfolgen.

Der Insolvenzverwalter führt nach eigenen Angaben Verhandlungen mit mehreren Interessenten. Einige potenzielle Übernehmer hätten bereits indikative Angebote vorgelegt. Zu deren Namen und den Inhalten der Gespräche wurden keine Angaben gemacht.

„Ich bin optimistisch, dass wir zeitnah einen passenden Partner für Haus Aichele finden werden“, erklärte Haffa. Die Einrichtung schließe mit ihrem besonderen Betreuungs- und Therapieangebot eine Bedarfslücke und sei auch über den Landkreis Esslingen hinaus als Leistungserbringer anerkannt.

Der Betrieb wurde auch nach dem Insolvenzantrag uneingeschränkt fortgesetzt. Zuletzt konnten nach Angaben des Insolvenzverwalters weitere Betreuungsplätze belegt werden. Rund 40 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Freiwilligen die Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Trägergesellschaft sind nach Unternehmensangaben auf gestiegene Kosten zurückzuführen, denen keine entsprechenden Einnahmesteigerungen gegenüberstanden. Insbesondere der Aufbau einer zweiten Betreuungsgruppe habe zusätzliche Material- und Personalkosten verursacht.

Die vorgesehenen Einnahmen konnten nicht in gleichem Umfang erzielt werden, weil die Besetzung der neuen Gruppenplätze länger dauerte als geplant. Die daraus entstandene Liquiditätslücke konnte die gemeinnützige Trägergesellschaft nicht mehr aus eigener Kraft schließen.

Das Haus Aichele in Beuren im Landkreis Esslingen verfügt über rund 30 Plätze. Die Einrichtung bezeichnet sich als Deutschlands erstes psychotherapeutisches Kinderheim und blickt auf eine bis in das Jahr 1922 zurückreichende Geschichte zurück.

Betreut werden unter anderem Kinder und Jugendliche mit psychischen Belastungen, Traumatisierungen, Bindungs- und Entwicklungsstörungen sowie Verhaltensauffälligkeiten. Die Angebote richten sich auch an Familien in mehrfachen Belastungslagen.

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