Management-Buy-out rettet Maschinenbauer J.G. Weisser

St. Georgen/Stuttgart, 9. Juli 2026 (JPD). Der traditionsreiche Maschinenbauer J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG ist nach einer langen Restrukturierungsphase gerettet. Der Geschäftsbetrieb am Standort St. Georgen wird im Rahmen eines Management-Buy-outs von einem Konsortium aus vier langjährigen Führungskräften übernommen. Die Fortführungslösung ist nach Angaben der Beteiligten inzwischen notariell beurkundet. Das Unternehmen soll künftig unter J.G. Weisser GmbH firmieren.

Mit der Übernahme ist nach Darstellung des Sanierungsteams kein weiterer Arbeitsplatzabbau vorgesehen. Die verbliebenen 156 Arbeitsplätze am Standort St. Georgen sollen langfristig erhalten bleiben. Grundlage der Lösung ist ein von den übernehmenden Managern erarbeitetes Fortführungskonzept, das nach Angaben des Unternehmens auch von wesentlichen Kunden unterstützt wird. Zudem lägen substanzielle Folgeaufträge vor, sodass J.G. Weisser mit einer stabilen wirtschaftlichen Basis in die neue Eigenständigkeit starte.

Der Sanierungsprozess war außergewöhnlich lang. Über insgesamt 21 Monate wurde der Geschäftsbetrieb unter Insolvenzbedingungen fortgeführt. Die Generalbevollmächtigten Markus Fauser und Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte hatten das Verfahren gemeinsam mit David Blum seit der Antragstellung begleitet. Fauser sprach von einer „enormen und absolut berechtigten Freude“ im gesamten Team. Möglich geworden sei die Lösung nur durch die Unterstützung von Beschäftigten, Kunden, Lieferanten und Gläubigern.

J.G. Weisser gehört zu den traditionsreichen Industrieunternehmen im Schwarzwald. Die Unternehmensgeschichte reicht bis in das Jahr 1830 zurück; 1856 wurde in St. Georgen die Maschinenfabrik J.G. Weisser Söhne gegründet. Das Unternehmen entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem Spezialisten für hochpräzise Drehbearbeitungszentren, Automatisierungslösungen und Maschinenkonzepte. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Luftfahrt, der Schifffahrt, der Energiewirtschaft, der Verteidigungsindustrie und der Medizintechnik.

In wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war das Unternehmen vor dem Hintergrund globaler Krisen. Nach Angaben der Beteiligten belasteten insbesondere Lieferkettenprobleme und stark gestiegene Materialkosten während der Corona-Pandemie den Betrieb. Hinzu kam, dass die damalige Muttergesellschaft Hardinge im Sommer 2024 in den USA selbst einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 stellte. Dadurch entfiel die finanzielle Absicherung des deutschen Standorts. Im September 2024 stellte J.G. Weisser Söhne daraufhin einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Die Restrukturierung verlangte nach Darstellung der Beteiligten erhebliche Einschnitte und eine enge Abstimmung mit Kunden und Gläubigern. Unter Führung des Sanierungsteams von Anchor, des Managements vor Ort und des Interim Managers und Chief Restructuring Officers Ansgar Lienert sei es gelungen, das Vertrauen wichtiger Kunden zu stabilisieren. Durch neue Maschinenaufträge während des Insolvenzverfahrens konnte die Produktion über Monate ausgelastet und der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden.

Parallel zu einem strukturierten internationalen Investorenprozess wurden alternative Fortführungsszenarien vorbereitet. Daraus ging schließlich die nun umgesetzte Übernahme durch das Management hervor. Die Käuferseite sieht nach Angaben Lienerts eine tragfähige Grundlage für den Neustart. Der wirtschaftliche Kern von J.G. Weisser und das technologische Know-how seien auf den internationalen Märkt weiterhin gefragt. Ziel sei es, das Unternehmen weiterzuentwickeln, die Innovationskraft im Bereich Automatisierung zu stärken und verlässlicher Partner der weltweiten Kundschaft zu bleiben.

Auch der gerichtlich bestellte Sachwalter Marc-Philippe Hornung von SZA Schilling, Zutt & Anschütz wertete die Lösung als positives Ergebnis eines anspruchsvollen Prozesses. Er dankte der Belegschaft, den Kunden und den Partnern für Geduld und konstruktive Zusammenarbeit. Unterstützt wurde Hornung von Katja Schmitt.

Rechtlich begleitet und transaktionsseitig beraten wurde die Übernahme federführend von Taylor Wessing durch Dr. Hendrik Boss mit Julia Siedhoff und Christian Benko. Die betriebswirtschaftliche Beratung lag bei Lars Steinhagen und dem Team von allea consult. Roland Berger unterstützte den M&A-Prozess unter Leitung von Christoph Burckhart und Philipp Broscheid.

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